Freitag, 24. Dezember 2010

Frohe Weihnachten!

Ich wünsch Euch allen wunderschöne Weihnachten, genießt den Schnee, den Tannenbaum, die Geschenke, den Weihnachtsduft, die Familie, die Plätzchen, den Glühwein, das Essen, die Lieder und die Ruhe. Für mich wird alles etwas magerer ausfallen, aber einen Plastik-Weihnachtsbaum mit blauer Lichterkette, Glühwein und ein Weihnachtsessen gönnen wir uns auch noch ;)
Ich vermisse jetzt schon die Weihnachtsstimmung von zuhause!
Wir feiern hier bei ca. 20Grad, total unweihnachtlicher Stimmung, haben aber immerhin ein paar Tage frei bekommen. In Bethlehem kann man eine 3 Stunden-Nachtwanderung nach Jerusalem machen, einen Gottesdienst auf Deutsch in der Erlöserkirche besuchen oder in die touristenüberfüllte Geburtskirche gehen. Gestern beim Arbeiten war ich wieder einmal mehr schockiert, wie unchristlich Israel geprägt ist. Die meisten wissen nicht wann und nicht einmal was Weihnachten eigentlich ist! Und das Bild, welches sie von Jesus haben, erwies sich als dürftig ausbaufähig. So hab ich gestern etwas Nachhilfeunterricht gegeben und darf nach Weihnachten erst einmal den gespannten Israelis Neue Testamente auf Hebräisch austeilen :)
Lasst uns Weihnachten nicht nur traditionell familiär feiern, sondern auf das Eigentliche schauen und die Gute Botschaft kund tun!
(Schön ausgedrückt, nicht?)
Shabbat Shalom weChag Sameach!
Euer Raphi

Freitag, 17. Dezember 2010

تاكسي

Das ist arabisch und heißt "Taxi". Die letzten vier Tage haben Andy und ich unglaublich viele neue Freunde gewonnen, die meißten davon sind Taxifahrer :) In Ägypten, genauer gesagt auf der Sinai-Halbinsel, vergeht keine Minute ohne dass dich jemand anhupt, dir Taxi oder "my friend!" hinterher ruft. Das wird mit der Zeit ziemlich ätzend, vor allem da man es nicht einfach ignorieren kann. Das eine Mal stellen sie sich dir in den Weg, ein ander mal halten sie dich fest oder drücken dir schon beinah einen Kuss ins Gesicht. Von arabischer Gastfreundlichkeit war anfangs leider nicht viel zu sehen.
Aber jetzt mal von Anfang an. Begonnen hat unsere Reise mit 5 1/2 Stunden Busfahrt durch die Negev nach Eilat, dem südlichsten Zipfel Israels am Roten Meer. Allein schon der Anblick der facettenreichen Landschaft in der Wüste war atemberaubend. Eine halbe Stunde von Eilat entfernt liegt Taba, eine kleine ägyptische Stadt am Grenzübergang , an dem man zigmal zuerst von Israelis und dann von Ägyptern durchgecheckt wird. Ebenfalls hat man an beide Seite eine Grenzgebühr zu entrichten was dann insgesamt schon rund 30€uro. Unser erstes Ziel, nicht weit entfernt, war die Pharaos-Insel. Kurz anschaun und weiter gehts. Auf dem Weg nach Dahab, ca. 2 Stunden südlicher, sind uns vorallem die ärmlich lebenden Beduinen und die etlichen Rohbaus von riesigen Hotelanlagen aufgefallen, an denen nicht mehr weiter gearbeitet wird. In Dahab angekommen, entschlossen wir uns am selbigen Abend noch nach Sharm El-Sheich weiterzufahren, was am unteren Ende des Sinai liegt. Dort übernachteten wir in einem so besagten Rohbau, welcher uns immerhin etwas Windschutz bot. Nachteilig war jedoch, dass die Mücken einem keine Ruhe liesen! So bin ich am nächsten Morgen mit komplett verstochenen Händen und Gesicht aufgewacht. Sharm El-Sheich ist berühmt für ihre schönen Korallenriffe und Fischvielfalt, welche wir natürlich auch erkunden wollten. Leider wurden die Riffe aber erst am Tag darauf wegen der Haiwarnung wieder frei gegeben. So haben wir unser Schnorchelzeug genommen und sind an den nächst besseren freien Strand gegangen. Das war das erste Mal Schnorcheln für uns beide, eine sehr schöne Erfahrung. Ich muss sagen, dass ich die Begeisterung meiner Schwester leider nicht ganz teilen kann, jedoch werde ich auch nicht die schönsten Riffe gesehen haben ;) Aber es war wirklich schön die Unterwasserwelt zu erkunden, auch wenn die Korallen größtenteils schon abgestorben waren, es gab aber immernoch die wunderschönen Fische. Am Abend sind wir zurück nach Dahab gefahren und trafen im Bus zwei weitere Reisende, einen Russen und einen Ami. Der Russe machte Urlaub, wohnhaft in Dahab und der Samuel aus Brasilien ist bereits seit 4 1/2 Jahren nur auf Reisen, von Italien, über Australien, Thailand und jetzt in Ägypten. Mit ihm zusammen nahem wir uns diese Nacht ein Hotelzimmer für runde 8€ pro Person mit Pool, Klimaanlage, nur leider mit kalter Dusche. Dorthin kamen wir mit einem inoffizielen Taxi wovon es hier nur so wimmelt, einem Pickup auf dem so viele Leute wie möglich einfach auf die Ladefläche gepackt werden. Mir hats gefallen :)
Ausgeschlafen machten wir uns los auf die Suche einer Autovermietung, da wir zum Katherinenkloster fahren wollten und den höchsten Berg im Sinai, den Berg Moses, besteigen wollten. Zudem wollten wir eine Oase besuchen, was aber leider nicht geklappt hat, da unser Autohändler am Abend das versprochene Auto nicht zur Verfügung hatte. Schade, das wäre meine Gelegenheit gewesen einmal Auto zu fahren! Was solls, dann sind wir eben mit dem engen, unbequemen Minibus nachts um 11Uhr los um in aller Dunkelheit den Berg hoch zu stapfen. Zuvor sind wir mit mit unserem neuen Freund Samuel (der Ami) eine anderes Camp suchen gegangen, wo man am billigsten übernachten können solle. Die 1,50€uro-Unterkunft stellte sich als einen betonierten Raum mit Matratze und Glühbirne heraus, das ist der Standart dort! Die Besitzer waren ausnahmsweise einmal authentisch nett und haben uns auf einen Tee beim Fischbraten auf offenem Feuer eingeladen. Vater, Sohn und Cousin waren anwesend und zu unserer Überraschung war der Cousin sogar aus Deutschland und arbeitet dort als Übersetzer. Wieder einmal bekam man interessante Storys zu hören und wir sprachen viel über den Glauben und biblische Gestalten. Die arabische Familie war natürlich muslimisch, unser Ami war Zeuge Jehova und ich bin Christ. Sehr interessante Kommunikation, da wir uns hauptsächlich über alttestamentliche Geschehnisse unterhielten, worin wir alle nicht so große Unterschiede hatten. Am besten fand ich den Kommentar des Arabers, als Samuel sagte, dass er hier eine Arbeit sucht, er solle lieber nur beten! :D
Auf dem Sinai gabs keine Taxis, dafür jede Menge Kamele, welche man ebenfalls ständig angeboten bekommen hat. Preis? 20Dollar war mir dann doch etwas zu viel. Wir hatten sogar einen Beduinen-Guide, der aber keine Englisch konnte außer "It is cold, buy...!". So hielten wir natürlich auf jedem Kiosk auf unserer Reise an, in der Hoffnung, dass die blöden Touristen überteuerte Produkte kaufen würden. Hat sogar funktioniert :P Oben angekommen blieben uns noch 2 Stunden bis zum Sonnenaufgang, taktisch klug, da jeder anfängt zu frieren bei 0°C und sich eine Matratze und eine Decke ausleiht und einen Tee trinkt und... Aber wir blieben hart, was sind schon null Grad für einen Deutschen! Ohne Jacke (da wir dummerweise keine mitgenommen haben) jedoch mit einem Schlafsack für Andy und mich haben wir uns abgewechselt. Einer läuft sich immer warm, der andere kann im Schlafsack schlummern. Dann ging es endlich los, leider mit etwas Nebel, aber es erhob sich ein wunderschönes Panorama mit dem Hintergrund der Jordanischen Berge, ein Sonnenaufgang! Jou, und am letzten Tag sind wir nochmals Schnorcheln gewesen in Dahab und wollten uns mittags aufmachen nach Hause, als wir mitbekamen, dass täglich nur ein Bus fährt, und das morgens um 10Uhr! Was soll man machen, wir hatten keine andere Möglichkeit als uns ein Taxi zu nehmen, jedoch haben wir uns einheimische Hilfe geholt, damit er uns billiger kam, für 220 ägyptische Shekel bis nach Taba-Border. Der Fahrer war ausnahmsweise mal echt nett und als wir ihm etwas von unserem Essen anboten, hielt er sofort an und hat auch sein Lunchpaket aus dem Kofferraum geholt, was wir dann schön miteinander teilten. Das war schön. Auf dem Weg noch Tanken für 20Cent/Liter, kostenloses Mitnehmen von Polizisten, kamen wir an der Grenze an und kamen problemlos nach Hause, um halb 2 nachts...
Fazit: Bei Israelis ist Sinai ein beliebter Erholungsort, für uns war es anstrengend, sehr interessant aufgrund der völlig anderen Kultur und auf jeden Fall das Geld wert (insgesamt ca. 150€uro pro Person). Wir waren froh wieder zurück zu sein, aber irgendwie zieht es einen doch auch schon wieder nach unten, dorthin, wo es von bunten Fischen, Taxifahrern und Touristen nur so wimmelt...

Dienstag, 7. Dezember 2010

יש אש

338 Seiten Hebräisch Level Aleph sind jetzt zu Ende. Das heißt, ich finde wieder Zeit hier was rein zu schreiben! Vor ca. einem Monat habe ich mir ein Hebräisch-Buch ausgeliehen und nahezu pausenlos durch gerackert. Mittlerweile bin ich also der Oberstreber hier und kann mich auch schon recht gut unterhalten, lesen, schreiben, aber das wars dann auch schon :P. Die Sprache ist einfach unglaublich faszinierend! In jedem Buchstabe, in jedem Wort, in jeder grammatikalischen Form steckt eine so tiefe Bedeutung, was in Bezug auf die Bibel einem wirklich eine vollkommen neue Welt offenlegt. Ich kann also nur jedem empfehlen diese Sprache zu lernen ;). Und zudem ist es super einfach. Am Anfang fällt es noch schwer wegen dem anderen Alphabet und der anderen Logik, aber in sich ist es sehr simpel.
Nun zu mir: Den letzten Monat hat es mit dem Urlaub leider nicht so gut hingehauen, sodass ich keine großen Ausflüge gemacht hab. Dafür saß ich jedoch täglich mehrere Stunden beim Hebräisch-Lernen. Mittlerweile mach ich auch Nachtschichten (alleine) da wir Mitarbeitermangel haben, bei denen man wunderbar 7 Stunden ununterbrochen lernen kann. Herrlich!
Der Alltag und somit auch die Arbeit werden echt angenehm und auch abwechslungsreicher. Mit den anderen Volontären versteht man sich gut, auch wenn sich selbstverständlich kleine Grüpchen bilden. Mejla! (Was solls). Manchmal gibt es auch echt interessante Gespräche über den Glauben, auch wenn es nicht immer einfach ist, da man hier als christliche Minderheit schon ziemlich zu kämpfen hat. Apropo Minderheiten, Ende letzten Monats hatten wir ein Bildungsseminar von unserer Entsendeorganisation in Haifa für 3 Tage mit diesem Thema. Andy und ich hatten ein Tag früher frei und sind das Künstlerdorf "Ein Hod" auf dem Karmel-Gebierge besuchen gegangen. Ein wirklich schönes Dorf, ruhig, phantasievoll, reich, kollektiv und mittlerweile verbrannt. Ein paar Tage nach unserer Abreise gab es aufgrund der anhaltenden Dürre hier einen großen Waldbrand im Karmel (für alle die es noch nicht mitbekommen haben) und es wurden dabei 2 Dörfer und ein Kibbuz zerstört, darunter "Ein Hod". Kleine Anekdote: Andy und ich sind auf dem Weg nach Ein Hod, laufen an einer Feuerwache vorbei, welche ausschließlich aus "Oldtimer-Feuerwehrautos" besteht und sagen uns, `Hier darf es aber bloß nicht brennen dürfen`.
Jedenfalls haben wir in dem Seminar verschiedene ethnische und religiöse Minderheiten besucht, darunter die Drusen, Bahais, Beduinen und Chakasen. War wirklich sehr interessant, wenn jemand Infos will, kann ich euch die Unterlagen zumailen. Das Drusendorf welches wir besucht haben gehört übrigens auch zu den vom Brand betroffenen. Zu den Bahais kurz was. Sie ist eine recht neue Religion welche man meiner Meinung nach als Einheitsreligion bezeichnen könnte, da sie alle großen Persönlichkeiten der Religionen aktzeptieren, Toleranz ganz groß schreiben, nur die Gemeinsamkeiten sehen wollen und den Rest nur als temporär geltend und selektiv interpretierbar erachten. Im Klartext, die Friede-Freude-Eierkuchen Religion!
Mittlerweile muss ich seit einigen Wochen mich wieder mit dem Bus fortbewegen, da mir am Fahrrad der Hinterreifen geplatz ist und die Leute hier leider unfähig so etwas zu reparieren. Sehr sehr traurig wie schlecht die Qualität hier ist, bei nahezu allen Fahrrädern.
Bei dem Seminar war auch ein Freund von einer Volontärin hier, welcher in Deutschland bei ParkourOne mitarbeitet, DER Firma in Berlin für die recht junge Sportart, die mich schon lange begeistert! Wer nicht weiß was das ist, man sucht sich den kürzesten Weg von Punkt A nach B. Das heißt, dann klettert über Häuser, springt über Mauern und den ganzen Kram. Auf jeden Fall waren wir vorgestern ihn besuchen und haben zu dritt ein von ihm geleitetes Training gemacht. Wirklich cool, extrem anstrengend und mit schweren Folgen. Nämlich heftigsten Muskelkater in JEDEM Muskel! Das heißt, danach ist man für alles unfähig, was nur mit geringen Bewegungen zusammen hängt. Dennoch wollen wir es nun regelmäßig versuchen zu machen (jede Woche).
Ich wünsche euch einen wunderschönen Winter :)