Mittwoch, 29. September 2010

Wie Maria und Josef

Wieder einmal 2Tage frei gehabt und prompt mit Andy nach Bethlehem gefahren. Erster Zwischenstop war in Jerusalem nahe der Central Bus Station das kleine Tal Lifta. Wunderschöner Ort mit alten Häusern, einer Quelle und viel Ruhe. Schaut euch am besten die Bilder an!
Abends gings dann mit dem Bus ins palästinensische Autonomiegebiet Bethlehem. Da waren wir also, mitten in Bethlehem, mitten in der Nacht. Naja... wir haben uns mal wieder nicht informiert und wussten so auch nicht wo wir schlafen konnten, geschweige denn, dass wir überhaupt eine Orientierung gehabt hätten. Also sind wir einfach mal drauf losgelaufen, immer gerade aus, in der Hoffnung in die Natur zu kommen um unsere Hängematten aufzuspannen. So fragten wir einen Araber nach dem anderen, wo es aus der Stadt raus geht und die Antwort war: "Yes". Eigentlich haben sie auf alles mit "Yes" geantwortet. Auf der Suche sind wir sogar zufällig an der Geburtskirche wo die Krippe und der Stall früher einmal standen, vorbeigekommen. Irgendwann hat ein Mann dann doch verstanden, dass wir schlafen wollen ohne etwas zu zahlen und nahm uns zunächst einmal mit nach Hause, wo wir schon sehnlichst von der ganzen Familie erwartet wurden. Kurz darauf ließen sie uns ein Taxi rufen und geleiteten uns zu einer anderen Wohnung, eine Minute von der Geburtskirche entfernt. Dort wurden wir gemästet mit Pitta, frisch gepflückten Äpfeln, Feigen und Granatäpfeln und abgefüllt mit Kaffee und Tee... während uns die ganze Familie dabei beobachtete. Wohlbemerkt, wir konnten uns immernoch kaum verständigen und haben uns folglich schweigend angelächelt. Um 12Uhr gings dann ab ins Bett, morgens wurden wir wieder mit Frühstück versorgt und dazu gedrängt, doch noch mit ihnen Mittagzuessen. Folglich willigten wir ein, machten uns bis dahin nochmals auf den Weg um die Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Das Highlight war definitiv das Hirtenfield, was
gar nicht so einfach zu finden war. Der Grund dafür ist, dass wir immer in die entgegengesetzte Richtung geschickt wurden, wie uns die Schilder geführt hätten. Mit einem alten Sherut gelangten wir letztlich für 2Shekel (40Cent) doch noch ans Ziel. Das Geniale hier war nun, dass es ein zugängliches Höhlensystem gab, in dem der liebe Schäfer gewohnt haben soll. Dieses war unbeleuchtet, teilweise sehr eng und menschenleer, sodass wir unsere eigene Expedition durchführen konnten. Eine Lampe hatten wir nicht, so nahmen wir den Kamerablitz zu Hilfe. Die letzte Sehenswürdigekti war die Milchgrotte über die ich mich nur aufgeregt habe, da sie reine Marienverehrung ist. Dort soll beim Stillen ein Tropfen Milch auf den Stein gefallen sein, welche sich folglich weiß verfärbte. Aaaaaaaah!
Beim Mittagessen war die Familie auf einmal doppelt so groß. Denn weitere Verwandte wurden eingeladen um uns beim Essen zuzusehen. Eine war gerade aus Australien zu Besuch da, deren Eltern aus Jordanien ausgewandert sind. Somit hatten wir endlich eine Dolmetscherin. Das Essen war mega, für uns haben sie sogar Fleisch gekauft. Es war unglaublich interessant mit den Leuten zu reden und Meinungen auszutauschen, wovon ich euch natürlich nichts vorenthalten möchte. Zunächst ist die Familie sehr arm, lebt quasi in einer Bruchbude, Vater und Sohn verdienen ihr Geld mit Putzen, wovon über die Hälfte an die Bank geht wegen eines Kredites. Zudem gibt es in Palestina keine Versicherungen und der Sohn hatte einen Autounfall, bei dem er jemanden angefahren hat. Folglich muss die Familie jeden Monat über 1000Shekel bezahlen plus zusätzliche Kosten wie Klamoten kaufen oder ähnliches... für den Betroffenen! Der Monatslohn beträgt 2400Shekel. Mohammed, der Vater hat auch zwei seiner Brüder verloren, da der eine den anderen abgestochen hat und letzlich an Drogen zu Grunde gegangen ist. Doch trotz dieser Umstände waren sie die freundlichsten und hilfsbereitesten Menschen denen ich je begegnet bin. Ein Dankeschön finanzieller Form nahmen sie nicht an, wollten uns aber gar nicht mehr gehen lassen und haben uns für Weihnachten bereits eingeladen. Neugierig hab ich sie über den Islam ausgefragt und den aktuellen Konflikt, wobei sie einen sehr liberalen Standpunkt einnehmen. Sie finden Israel genau so gut wie Palestina, behaupten jedoch auch, dass im Koran nichts über legitimierte Gewalt gegenüber Nichtmuslimen stände. Man merkt schon, so langsam wirds kritisch. Was sie glauben, wie der Konflikt enden wird, ist die Position des Korans. Dass Allah die Juden vernichtet und den Moslems das Land gibt. Nun ja es gäbe noch viel zu berichten, doch fahren wir fort. Später ging es zu zehnt im kleinen Taxi zur Wohnung einer der Töchter, wo Andy und ich mit den Kindern einen Trip durch die Natur machten. Wir sind auf einen Berg am Rande Bethlehems, welche besiedelt ist von streunenden Hunden. Hier waren wir direkt an der Grenze, hinter dem dreifachen Zaun befand sich bereits eine israelische Straße.
Nachdem des dunkel wurde brachen wir wieder auf nach Jerusalem, wobei wir zunächst den Checkpoint durchlaufen mussten. Sehr spannend, allein zwischen Mauern, Gittern und Kameras. Als wir den Ausgang gefunden hatten fragten wir die Autofahrer nach einem Bus, diese erzählten uns alle, dass keiner mehr kommen würde. Nach zehn Minuten kam jedoch einer. Die Taxi- und Autofahrer lügen und betrügen wo es nur geht um an Geld zu kommen, das war leider die negative Seite, der wir begegnen mussten in Palästina. Von Jerusalem gings dann nach Tel Aviv und von dort aus nach Hause. Da aber niemand zuhause war und wir die Schlüssel vergessen haben mitzunehmen, standen wir vor verschloßener Tür. So klingelten wir im 7.Stock bei der Wohnung über unserer in der Hoffnung, uns von oben abseilen zu dürfen um ins Fenster einzusteigen. Leider hat unsere Überredungskunst nicht gereicht :( Über Umwege sind wir letztlich um 1Uhr nachts bei unserer Arbeitsstelle angekommen, über die Zäune und Feuerleitung reingeklettert und haben dann dort übernachtet. Um 7Uhr heute morgen began dann unsere Schicht :)
So und das war die Story von unserem sehr eindrucksvollen und bewegendem Ausflug, der uns letztlich nur 15Euro gekostet hat.

Freitag, 17. September 2010

Mit dem Einkaufswagen und Hausschuhen von Tel Aviv nach Hause

In diesem Moment ist für 24Stunden Jom Kippur, das heißt, es fahren absolut keine Autos auf den Straßen. Nur blöd, dass Andy und ich heute zu lange in Tel Aviv beim Baden waren und um 14:30Uhr bereits kein Bus mehr fuhr. Da uns das Taxi zu teuer war, blieb uns keine andere Wahl mehr als zu laufen. 15 Kilometer auf der dreispurigen Hauptstrasse durch die Betonwüste nach Hause ...mit dem Einkaufswagen! Am Straßenrand fanden wir alles was zum Leben braucht. Gefüllte Wasserflaschen, frische Datteln und natürlich einen Einkaufswagen. Den haben wir uns prompt geschnappt und uns gegenseitig herumkutschiert. Damit waren wir natürlich die Attraktion für die Kinder, die massenweise mit Fahrrad, Inliner oder Dreirad auf den Straßen gerast sind. Wir konnten es kaum glauben, aber nach 41/2 Stunden waren wir tatsächlich zuhause angekommen.

Mittwoch, 15. September 2010

Reise nach Jerusalem

Montag, Dienstag und Mittwoch hatte ich frei und verbrachte die Tage in Jerusalem. Die Hinfahrt ist billig und dauert nicht mal eine Stunde, übernachten konnte ich bei anderen Volontären in Gilo. Am ersten Tag waren wir die Altstadt, Grabeskirche und Klagemauer besichtigen und sind abends noch in eine Bar gegangen. Es war sehr interessant so viele verschiedene Religionen in ihren Extremen auf so engem Raum miteinander zu beobachten. Die Ultrasuperhyperorthodoxen Juden die ständig mit ihrem Oberkörper herumwackeln, die christlichen Spinner welche ihren gesamten Einkauf über den angeblichen Grabstein Jesu ziehen oder mit einem Holzkreuz die Via Dolorossa hoch stiefeln, bis zu den strengen und ernsten Muslimen in deren Hinterhöfe man besser nicht gelangen sollte, da man von fanatischen Kindern mit Spielzeugwaffen abgeschossen, Milchpackungen abgeschmissen und den heftigsten Ausdrücken beworfen wird. Letztere sieht man auch haufenweise über LAN Ego-Shooter zocken, so viel erst mal zum Thema Deeskalation. Eindrucksvoll sind Bilder von jüdischen Soldaten, welche an der Klagemauer beten, einmal ganz abgesehen davon, dass es kaum einen Fleck gibt wo in Jerusalem keine Soldaten, Polizisten oder Zivilisten mit Waffen zu sehen sind. Die Altstadt kam mir mehr vor wie ein Touristendorf und eine Ansammlung religiöser Spinner und Fanatiker, leider weniger als ein heiliger Ort oder gar Stadt. Da wundert es mich nicht, dass Heiden durch ein solches Spektakel die Glaubwürdigkeit des Christentums stark in Frage stellen.
Vom Ölberg aus konnte man eine wunderschöne Sicht sowohl über Jerusalem, also auch in die palästinensischen Autonomiegebiete genießen. Der Garten Gethsemane und der Felsendom sind ein anderes mal dran, da wir keine langen Hosen an hatten. Die Stadt bietet jedoch noch unzählige weitere Facetten, wie die Mea Shearim, das superultrahyperorthodoxe Judenviertel in der heute das größte Verkehrschaos war, da sie alle ihre Wände und Dächer für die Laubhütten zusammensammeln. Stichwort Sukkot. Am letzten Tag hab ich mich dann in christlichen Häusern noch rumgetrieben. Zum einen ein wunderbarer Bibelladen und zwei 24/7-Prayer Räume. Wer nicht weiß was das ist, da wird rund um die Uhr an jedem Tag gebetet. Der eine befindet sich an einem Hang nahe Berg Zion mit wunderschöner Aussicht. Dort gab es rund um die Uhr Lobpreis was ich zunächst ganz gut fand, letztlich der Fokus aber wieder zu sehr auf der Musik statt auf Gott lag. Der zweite ist direkt an der Jaffa-Street mitten in der City im 14.Stock! Von dort aus kann man ein wunderschönes Panoramabild in beinach jede Himmelsrichtung über Jerusalem genießen. Ihr Hauptanliegen ist das Zurückkehren der Juden nach Israel. Danach hab ich beim großen Jerusalemer Markt noch richtig billig zu Essen eingekauft und bin daraufhin abgefahren. Was mir gerade noch einfällt, der Verkehr in Jerusalem ist der Hammer! Alle hupen und drängeln und fahren bei rot erst mal bis zur Mitte der Kreuzung um alles zu blockieren und das beste sind die Buse, denn die gleichen einer Achterbahn. Egal ob Kurven oder Strassenunebenheiten, immer mit Vollgas drüber und am besten auch bei rot beschleunigen um möglichst scharf abbremsen zu können. Kann ich nur empfehlen :)
Übrigens: Die ersten Bilder sind online! Es folgen bald weitere.

Freitag, 10. September 2010

Shana Tova!

Chag sameach! heißt soviel wie "Schöne Feiertage!" Die letzten zwei Tage war hier Rosch Haschana (Kopf des Jahres) also Neujahr! Willkommen im Jahre 5771 nach Erschaffung der Erde! Da durfte ich arbeiten und hab ein bischen mit den Autis gefeiert, sofern es möglich war. Heute und morgen hab ich frei und da Shabbat ist, werde ich wohl mal die Gemeinde in Tel Aviv aufsuchen. Meine erste 5Tage-Arbeitswoche hab ich nun also hinter mir. Am ersten Tag gabs gleich ein fettes Festessen, das hat mir natürlich sehr gemundet. Und dann kam ich in mein Haus, Beit Geven. Da wohnen 8Männer, der älteste ist 52, und eine Frau die unterbrochen labert. Es arbeiten immer 3 Guides, also Mitarbeiter in einer Schicht. Ich hab momentan immer die Abendschicht, von 15-22Uhr. Das ist ganz gut, da pennen die erst mal alle und danach sind die Aktivitäten wir Pool, Musik, Garten, Kraftraum, Keramik, Yoga und vieles mehr. Ansonsten dürfen wir Essen machen, beim duschen helfen und ins Bett bringen. Das wars eigentlich auch schon. Somit ist es eine echt lässige Arbeit und momentan sitz ich fast nur auf der couch und lern hebräisch um der Langeweile vorzubeugen. Die Leute hier sind alle echt nett. Auch die Wohnungsgeschichte hat sich nun geklärt. Alle 7 Volos wohnen nun in Petach Tikva, Bilu 18. Ich hab aber keine Ahnung wie wir auf dem Briefkasten heißen :P Besser ist es also, man schickt die Post direkt ans Kfar. Die Adresse kommt noch.

Samstag, 4. September 2010

Shabbat in Tel Aviv

Morgen geht die Arbeit los, heute ist Shabbat. Das heißt, gar nichts los! Aber jetzt mal von vorne. In Haifa gab es eine nette Überraschung; zwei weitere Volontäre kommen zu uns in die Einrichtung! Ihre wurde nämlich kurzfristig gestrichen. Somit sind wir nun 5 Jungs und 2 Mädels. Am Mittwoch Abend wurden wir in unsere Appartements gebracht. Es gibt zwei 6er-WGs, womit wir natürlich überhaupt nicht zufrieden sind. So kamen die einen vorübergehend nach Ramat haScharon und die anderen (inklusive mir) nach Petah Tikva. Vermutlich werden wir alle sieben dennoch nach Petah Tikva ziehen, da die Wohnung schöner ist :P Sechster Stock, hell, groß, schöne Aufteilung, laut und dreckig. Gestern haben wir nen Ausflug gemacht nach Tel Aviv. Der Strand ist herrlich! Schöner Sand, schöne Wellen und warmes Wasser. Abends wollten die Jungs einen Saufen gehn und wir sind ewig lang durch ganz Tel Aviv gestiefelt und haben eine Bar gesucht. Das verwunderliche Ergebnis: Wir haben zum Glück keine gefunden ;)
Die Leute hier sind alle super nett und hilfsbereit (also die Israelis) und auch mit meinen Mitbewohnern wirds immer entspannter. Hebräisch haben wir auch schon angefangen zu lernen, fällt mir erstaunlich leicht sogar! So um die 100 Vokabeln hab ich schon drauf und die Schrift wird auch langsam.
Danke übrigens auch für all die Spenden! Jetzt fehlen nur noch ca. 300 €uro!

Mittwoch, 1. September 2010

Ankunft, Haifa und Petah Tikva

Shalom!
Heute Abend sind wir in unsere Appartements gekommen und haben bis Sonntag (erster Arbeitstag in Israel) erst einmal frei! Es gibt bereits bis jetzt schon jede Menge zu erzählen. Also fang ich mal an.
Fliegen war cool! Nur bei der Landung hats ordentlich auf den Kopf gedrückt. Umsteigen in Athen war kein Problem. Überall haben sie gepennt. Aber ich hab lieber das kostenlose Internet im Terminal genutzt um den ersten Kontakt nach zuhause zu pflegen. Morgens um 4Uhr circa bin ich dann in Tel Aviv angekommen. Kaum ausgestiegen begegnen einem als erstes Soldaten mit Maschinengewehren und eine musste natürlich ausgerechnet mich raus picken und erstmal ausquetschen. Das überstanden fand ich am Ausgang den lieben Mann, der mich und zwei andere Volos abholen sollte. Warum sollte? Sein Auto war kaputt :( Also hat er rumtelefoniert und mal da und mal dorthin gelaufen und irgendwann war er weg. Aber ein Freund von ihm kam ihm Auto, sprach aber nur hebräisch, sodass wir ihn auch nichts fragen konnten. Irgendwann hat er mir sein Handy in die Hand gedrückt und es versuchte mir jemand auf sehr unverständlichem Englisch etwas zu sagen. Aufgelegt. Dann kam ein Sprinter und wir dachten der Typ wär unser Gesandter, da er exakt gleich aussah und das gleiche an hatte, haben aber noch rechtzeitig rausgefunden, dass er es doch nicht war. Dann folgte ein zweiter Anruf. Etwas verständlicher und mit dem Resultat, dass sein Freund der nur hebräisch kann mit uns letztlich losgefahren ist. Hundert Meter, dann war erst mal Pause. Wir waren an einer Schranke, wo man bezahlen musste, wie in Deutschland, um rauszukommen. Ja und selbst da hatten wir Probleme. Der Automat wollte das Geld nicht schlucken. Folglich hat sich unser hebräischer Freund erst mal an diesem abreagiert. Irgendwann waren wir dann auf der Autobahn, als plötzlich rechts von uns ein Taxi auftaucht in welchem unser Gesandter fuhr! Mitten auf der Autobahn hielten wir dann und sind umgestiegen und den letzten Weg bis nach Haifa im Taxi gefahren. Als es hell war kamen wir schließlich im Rutenberg Institut für Jugend-Erziehung an. Das liegt mitten auf dem Karmel-Berg, oberhalb der Bahai-Gärten, dem Zentrum der Bahai-Religion. Von dort aus hat man einen herrlichen Blick über Haifa bis nach Akon hoch. Bilder folgen sobald es mir möglich ist! Den Rest erzähl ich euch bald.
Lehitraot!