Freitag, 24. Dezember 2010

Frohe Weihnachten!

Ich wünsch Euch allen wunderschöne Weihnachten, genießt den Schnee, den Tannenbaum, die Geschenke, den Weihnachtsduft, die Familie, die Plätzchen, den Glühwein, das Essen, die Lieder und die Ruhe. Für mich wird alles etwas magerer ausfallen, aber einen Plastik-Weihnachtsbaum mit blauer Lichterkette, Glühwein und ein Weihnachtsessen gönnen wir uns auch noch ;)
Ich vermisse jetzt schon die Weihnachtsstimmung von zuhause!
Wir feiern hier bei ca. 20Grad, total unweihnachtlicher Stimmung, haben aber immerhin ein paar Tage frei bekommen. In Bethlehem kann man eine 3 Stunden-Nachtwanderung nach Jerusalem machen, einen Gottesdienst auf Deutsch in der Erlöserkirche besuchen oder in die touristenüberfüllte Geburtskirche gehen. Gestern beim Arbeiten war ich wieder einmal mehr schockiert, wie unchristlich Israel geprägt ist. Die meisten wissen nicht wann und nicht einmal was Weihnachten eigentlich ist! Und das Bild, welches sie von Jesus haben, erwies sich als dürftig ausbaufähig. So hab ich gestern etwas Nachhilfeunterricht gegeben und darf nach Weihnachten erst einmal den gespannten Israelis Neue Testamente auf Hebräisch austeilen :)
Lasst uns Weihnachten nicht nur traditionell familiär feiern, sondern auf das Eigentliche schauen und die Gute Botschaft kund tun!
(Schön ausgedrückt, nicht?)
Shabbat Shalom weChag Sameach!
Euer Raphi

Freitag, 17. Dezember 2010

تاكسي

Das ist arabisch und heißt "Taxi". Die letzten vier Tage haben Andy und ich unglaublich viele neue Freunde gewonnen, die meißten davon sind Taxifahrer :) In Ägypten, genauer gesagt auf der Sinai-Halbinsel, vergeht keine Minute ohne dass dich jemand anhupt, dir Taxi oder "my friend!" hinterher ruft. Das wird mit der Zeit ziemlich ätzend, vor allem da man es nicht einfach ignorieren kann. Das eine Mal stellen sie sich dir in den Weg, ein ander mal halten sie dich fest oder drücken dir schon beinah einen Kuss ins Gesicht. Von arabischer Gastfreundlichkeit war anfangs leider nicht viel zu sehen.
Aber jetzt mal von Anfang an. Begonnen hat unsere Reise mit 5 1/2 Stunden Busfahrt durch die Negev nach Eilat, dem südlichsten Zipfel Israels am Roten Meer. Allein schon der Anblick der facettenreichen Landschaft in der Wüste war atemberaubend. Eine halbe Stunde von Eilat entfernt liegt Taba, eine kleine ägyptische Stadt am Grenzübergang , an dem man zigmal zuerst von Israelis und dann von Ägyptern durchgecheckt wird. Ebenfalls hat man an beide Seite eine Grenzgebühr zu entrichten was dann insgesamt schon rund 30€uro. Unser erstes Ziel, nicht weit entfernt, war die Pharaos-Insel. Kurz anschaun und weiter gehts. Auf dem Weg nach Dahab, ca. 2 Stunden südlicher, sind uns vorallem die ärmlich lebenden Beduinen und die etlichen Rohbaus von riesigen Hotelanlagen aufgefallen, an denen nicht mehr weiter gearbeitet wird. In Dahab angekommen, entschlossen wir uns am selbigen Abend noch nach Sharm El-Sheich weiterzufahren, was am unteren Ende des Sinai liegt. Dort übernachteten wir in einem so besagten Rohbau, welcher uns immerhin etwas Windschutz bot. Nachteilig war jedoch, dass die Mücken einem keine Ruhe liesen! So bin ich am nächsten Morgen mit komplett verstochenen Händen und Gesicht aufgewacht. Sharm El-Sheich ist berühmt für ihre schönen Korallenriffe und Fischvielfalt, welche wir natürlich auch erkunden wollten. Leider wurden die Riffe aber erst am Tag darauf wegen der Haiwarnung wieder frei gegeben. So haben wir unser Schnorchelzeug genommen und sind an den nächst besseren freien Strand gegangen. Das war das erste Mal Schnorcheln für uns beide, eine sehr schöne Erfahrung. Ich muss sagen, dass ich die Begeisterung meiner Schwester leider nicht ganz teilen kann, jedoch werde ich auch nicht die schönsten Riffe gesehen haben ;) Aber es war wirklich schön die Unterwasserwelt zu erkunden, auch wenn die Korallen größtenteils schon abgestorben waren, es gab aber immernoch die wunderschönen Fische. Am Abend sind wir zurück nach Dahab gefahren und trafen im Bus zwei weitere Reisende, einen Russen und einen Ami. Der Russe machte Urlaub, wohnhaft in Dahab und der Samuel aus Brasilien ist bereits seit 4 1/2 Jahren nur auf Reisen, von Italien, über Australien, Thailand und jetzt in Ägypten. Mit ihm zusammen nahem wir uns diese Nacht ein Hotelzimmer für runde 8€ pro Person mit Pool, Klimaanlage, nur leider mit kalter Dusche. Dorthin kamen wir mit einem inoffizielen Taxi wovon es hier nur so wimmelt, einem Pickup auf dem so viele Leute wie möglich einfach auf die Ladefläche gepackt werden. Mir hats gefallen :)
Ausgeschlafen machten wir uns los auf die Suche einer Autovermietung, da wir zum Katherinenkloster fahren wollten und den höchsten Berg im Sinai, den Berg Moses, besteigen wollten. Zudem wollten wir eine Oase besuchen, was aber leider nicht geklappt hat, da unser Autohändler am Abend das versprochene Auto nicht zur Verfügung hatte. Schade, das wäre meine Gelegenheit gewesen einmal Auto zu fahren! Was solls, dann sind wir eben mit dem engen, unbequemen Minibus nachts um 11Uhr los um in aller Dunkelheit den Berg hoch zu stapfen. Zuvor sind wir mit mit unserem neuen Freund Samuel (der Ami) eine anderes Camp suchen gegangen, wo man am billigsten übernachten können solle. Die 1,50€uro-Unterkunft stellte sich als einen betonierten Raum mit Matratze und Glühbirne heraus, das ist der Standart dort! Die Besitzer waren ausnahmsweise einmal authentisch nett und haben uns auf einen Tee beim Fischbraten auf offenem Feuer eingeladen. Vater, Sohn und Cousin waren anwesend und zu unserer Überraschung war der Cousin sogar aus Deutschland und arbeitet dort als Übersetzer. Wieder einmal bekam man interessante Storys zu hören und wir sprachen viel über den Glauben und biblische Gestalten. Die arabische Familie war natürlich muslimisch, unser Ami war Zeuge Jehova und ich bin Christ. Sehr interessante Kommunikation, da wir uns hauptsächlich über alttestamentliche Geschehnisse unterhielten, worin wir alle nicht so große Unterschiede hatten. Am besten fand ich den Kommentar des Arabers, als Samuel sagte, dass er hier eine Arbeit sucht, er solle lieber nur beten! :D
Auf dem Sinai gabs keine Taxis, dafür jede Menge Kamele, welche man ebenfalls ständig angeboten bekommen hat. Preis? 20Dollar war mir dann doch etwas zu viel. Wir hatten sogar einen Beduinen-Guide, der aber keine Englisch konnte außer "It is cold, buy...!". So hielten wir natürlich auf jedem Kiosk auf unserer Reise an, in der Hoffnung, dass die blöden Touristen überteuerte Produkte kaufen würden. Hat sogar funktioniert :P Oben angekommen blieben uns noch 2 Stunden bis zum Sonnenaufgang, taktisch klug, da jeder anfängt zu frieren bei 0°C und sich eine Matratze und eine Decke ausleiht und einen Tee trinkt und... Aber wir blieben hart, was sind schon null Grad für einen Deutschen! Ohne Jacke (da wir dummerweise keine mitgenommen haben) jedoch mit einem Schlafsack für Andy und mich haben wir uns abgewechselt. Einer läuft sich immer warm, der andere kann im Schlafsack schlummern. Dann ging es endlich los, leider mit etwas Nebel, aber es erhob sich ein wunderschönes Panorama mit dem Hintergrund der Jordanischen Berge, ein Sonnenaufgang! Jou, und am letzten Tag sind wir nochmals Schnorcheln gewesen in Dahab und wollten uns mittags aufmachen nach Hause, als wir mitbekamen, dass täglich nur ein Bus fährt, und das morgens um 10Uhr! Was soll man machen, wir hatten keine andere Möglichkeit als uns ein Taxi zu nehmen, jedoch haben wir uns einheimische Hilfe geholt, damit er uns billiger kam, für 220 ägyptische Shekel bis nach Taba-Border. Der Fahrer war ausnahmsweise mal echt nett und als wir ihm etwas von unserem Essen anboten, hielt er sofort an und hat auch sein Lunchpaket aus dem Kofferraum geholt, was wir dann schön miteinander teilten. Das war schön. Auf dem Weg noch Tanken für 20Cent/Liter, kostenloses Mitnehmen von Polizisten, kamen wir an der Grenze an und kamen problemlos nach Hause, um halb 2 nachts...
Fazit: Bei Israelis ist Sinai ein beliebter Erholungsort, für uns war es anstrengend, sehr interessant aufgrund der völlig anderen Kultur und auf jeden Fall das Geld wert (insgesamt ca. 150€uro pro Person). Wir waren froh wieder zurück zu sein, aber irgendwie zieht es einen doch auch schon wieder nach unten, dorthin, wo es von bunten Fischen, Taxifahrern und Touristen nur so wimmelt...

Dienstag, 7. Dezember 2010

יש אש

338 Seiten Hebräisch Level Aleph sind jetzt zu Ende. Das heißt, ich finde wieder Zeit hier was rein zu schreiben! Vor ca. einem Monat habe ich mir ein Hebräisch-Buch ausgeliehen und nahezu pausenlos durch gerackert. Mittlerweile bin ich also der Oberstreber hier und kann mich auch schon recht gut unterhalten, lesen, schreiben, aber das wars dann auch schon :P. Die Sprache ist einfach unglaublich faszinierend! In jedem Buchstabe, in jedem Wort, in jeder grammatikalischen Form steckt eine so tiefe Bedeutung, was in Bezug auf die Bibel einem wirklich eine vollkommen neue Welt offenlegt. Ich kann also nur jedem empfehlen diese Sprache zu lernen ;). Und zudem ist es super einfach. Am Anfang fällt es noch schwer wegen dem anderen Alphabet und der anderen Logik, aber in sich ist es sehr simpel.
Nun zu mir: Den letzten Monat hat es mit dem Urlaub leider nicht so gut hingehauen, sodass ich keine großen Ausflüge gemacht hab. Dafür saß ich jedoch täglich mehrere Stunden beim Hebräisch-Lernen. Mittlerweile mach ich auch Nachtschichten (alleine) da wir Mitarbeitermangel haben, bei denen man wunderbar 7 Stunden ununterbrochen lernen kann. Herrlich!
Der Alltag und somit auch die Arbeit werden echt angenehm und auch abwechslungsreicher. Mit den anderen Volontären versteht man sich gut, auch wenn sich selbstverständlich kleine Grüpchen bilden. Mejla! (Was solls). Manchmal gibt es auch echt interessante Gespräche über den Glauben, auch wenn es nicht immer einfach ist, da man hier als christliche Minderheit schon ziemlich zu kämpfen hat. Apropo Minderheiten, Ende letzten Monats hatten wir ein Bildungsseminar von unserer Entsendeorganisation in Haifa für 3 Tage mit diesem Thema. Andy und ich hatten ein Tag früher frei und sind das Künstlerdorf "Ein Hod" auf dem Karmel-Gebierge besuchen gegangen. Ein wirklich schönes Dorf, ruhig, phantasievoll, reich, kollektiv und mittlerweile verbrannt. Ein paar Tage nach unserer Abreise gab es aufgrund der anhaltenden Dürre hier einen großen Waldbrand im Karmel (für alle die es noch nicht mitbekommen haben) und es wurden dabei 2 Dörfer und ein Kibbuz zerstört, darunter "Ein Hod". Kleine Anekdote: Andy und ich sind auf dem Weg nach Ein Hod, laufen an einer Feuerwache vorbei, welche ausschließlich aus "Oldtimer-Feuerwehrautos" besteht und sagen uns, `Hier darf es aber bloß nicht brennen dürfen`.
Jedenfalls haben wir in dem Seminar verschiedene ethnische und religiöse Minderheiten besucht, darunter die Drusen, Bahais, Beduinen und Chakasen. War wirklich sehr interessant, wenn jemand Infos will, kann ich euch die Unterlagen zumailen. Das Drusendorf welches wir besucht haben gehört übrigens auch zu den vom Brand betroffenen. Zu den Bahais kurz was. Sie ist eine recht neue Religion welche man meiner Meinung nach als Einheitsreligion bezeichnen könnte, da sie alle großen Persönlichkeiten der Religionen aktzeptieren, Toleranz ganz groß schreiben, nur die Gemeinsamkeiten sehen wollen und den Rest nur als temporär geltend und selektiv interpretierbar erachten. Im Klartext, die Friede-Freude-Eierkuchen Religion!
Mittlerweile muss ich seit einigen Wochen mich wieder mit dem Bus fortbewegen, da mir am Fahrrad der Hinterreifen geplatz ist und die Leute hier leider unfähig so etwas zu reparieren. Sehr sehr traurig wie schlecht die Qualität hier ist, bei nahezu allen Fahrrädern.
Bei dem Seminar war auch ein Freund von einer Volontärin hier, welcher in Deutschland bei ParkourOne mitarbeitet, DER Firma in Berlin für die recht junge Sportart, die mich schon lange begeistert! Wer nicht weiß was das ist, man sucht sich den kürzesten Weg von Punkt A nach B. Das heißt, dann klettert über Häuser, springt über Mauern und den ganzen Kram. Auf jeden Fall waren wir vorgestern ihn besuchen und haben zu dritt ein von ihm geleitetes Training gemacht. Wirklich cool, extrem anstrengend und mit schweren Folgen. Nämlich heftigsten Muskelkater in JEDEM Muskel! Das heißt, danach ist man für alles unfähig, was nur mit geringen Bewegungen zusammen hängt. Dennoch wollen wir es nun regelmäßig versuchen zu machen (jede Woche).
Ich wünsche euch einen wunderschönen Winter :)

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Gaaaanz tief gesunken

Um genau zu sein, 420Meter unter dem Meeresspiegel, sind Andy und ich gewesen. Richtig, wir haben uns zwei Tage Urlaub am Toten Meer gegönnt. Es fährt exakt eine Buslinie dort entlang und da ausschließlich Touris und Urlauber dorthin fahren, ist diese auch besonderst teuer. Nun ja, auf dem Programm stand eigentlich, dass wir drei Tage dortbleiben wollten um uns alle Sehenswürdigkeiten vorzunehmen, ich musste am letzten Tag aber doch arbeiten. So begannen wir ganz oben, nämlich mit Qumran. Okay, zugegebenermassen, wir haben die Bushaltestelle verpasst und haben somit irgendwo in der Pampa angefangen. Dort gab es nur einen überteuerten Naturpark, sodass wir uns entschlossen, zurück zu trampen. Hat auch wunderbar geklappt und so sind wir mit großen Erwartungen in Qumran angekommen. Begonnen hat der Spaß mit einem Film im Megabreitbildformat, nämlich über 3 Leinwände verteilt. Das war auch notwendig, sonst wäre es das Geld wohl nicht wert gewesen. Außer ein paar Informationen, einen Haufen Steine und einen Ausblick auf die legendären Höhlen gab es hier nichts zu holen.
Also ging es weiter mit dem Bus, nachdem das Trampen nicht geklappt hat, nach Mitspe Shalem oder genauer gesagt dem Mineral Beach. Der hat sagenhafte 45Shekel (10€uro) Eintritt gekostet! Gut, es ist auch eine der wenigen Badestellen am Toten Meer, wo es zudem noch Heilschlamm und ein 39Grad heißes Sulfurbad (welches wir beinah übersehen hatten) gab. Meine Haut hat den Schlamm allerdings nicht als sehr wohltuend empfunden, da er so enorm salzhaltig ist. Aber das Schwimmen im Toten Meer ist definitiv eine einzigartige Sache die man nur empfehlen kann!
Jetzt kam wieder die spannende Aufgabe einen Schlafplatz zu finden. Wir hatten beide eine Hängematte dabei, da es aber keine Bäume dort gibt, oder eigentlich gar nichts gibt, haben wir uns entschlossen noch ein Stücken weiter zu fahren in Gegend von Ein Gedi, der Oase. Diesmal nahm uns ein netter Kerl aus Eilat mit, der in Jerusalem seine Eltern besucht hatte. Ein Gedi besteht eigentlich nur aus einem Strand, einem Kibbuz, einem wunderschönen Naturreservat, Jugendherberge und eine Baumschule. Nachdem wir abends auf der Suche nach Essen nur einen überteuerten Kiosk fanden, ließen wir es mit einem Sandwich gut sein und versuchten am Strand einen geeigenten Platz zwischen Palmen für die Hängematten zu finden. Das einzige Problem dass sich leider heraus stellte, war, dass unsere Schnürre zu dünn waren, so dass wir letztlich auf dem Boden geschlafen haben. Es ging ein enormen Wind, der uns den Sand in die Wäsche bließ und dennoch war es abartig warm. Zudem hatte die israelische Army zu dem Zeitpunkt einen Aufenthalt mit fetter Party am Strand, sodass es mit dem Schlafen nicht ganz einfach ausfiel. Morgends um 5Uhr wurde man bereits von der aufgehenden Sonne geweckt, was man selbstverständlich photographisch festhalten musste. Bis 8Uhr haben wir versucht weiter zu schlafen, da knallte jedoch die Sonne mit 44Grad bereits auf uns nieder. Nach einem kurzen Badeaufenthalt diesmal bei sanftem Wellengang und einer Morgendusche machten wir uns auf zu dem wohl schönsten Ort in ganz Israel, dem ein Gedi Naturreservat. Es erstreckt sich über ein riesiges Gebiet mit Oasen, Wasserfällen, Pools, Tieren, Pflanzen, Bergen, Höhlen, Ruinen und einem herrlichen Ausblick über das Tote Meer. Schaut euch aber am besten die Bilder an, die sagen bedeutend mehr. Anschließend sind wir mit dem Bus an Masada, der Bergfestung des Herodes und an Ein Boqeq die Touristen-Kur-Stadt (eigentlich nur ein kleines Dorf mit ein paar Hochhäusern) vorbei gefahren und in Neve Zohar, eine der südlichsten Städte am Toten Meer, ausgestiegen. Von dort aus sind wir zur nächst größeren Stadt Arad etwas weiter im Landesinneren getrampt, der uns nicht abnehmen wollte, dass die meißten Deutschen keine Klimaanlage besitzen. Etwas kompliziert sind wir über Beer Sheva nach Tel Aviv gefahren und von dort aus nach Hause. Somit haben wir jede Menge gesehen und auch einen Haufen Beduinen in der Wüste, welche größtenteils in improvisierten, aus Müll zusammengebauten Hütten leben.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Unter Freunden

Heute ist der große Tag, an dem ich euch in meinen Alltag einweihen werde! Mittlerweile kenne ich meine "Friends" (So heißen die Autisten hier) recht gut und kann euch somit einiges erzählen.
Ich arbeite 5Tage die Woche je 7Stunden. Meistens in der Abend-Schicht, das heißt von 15 bis 22 Uhr (Ausschlafen!!!!). Nur am Freitag und Shabbat arbeite ich meißtens vormittags. Seit neuestem fahren wir mit Fahrrad zur Arbeit (9,5 km), da es- kompliziert ist mit dem Bus abends heim zu kommen, zudem er uns 70Euro im Monat kosten würde! So viel hat gerade einmal mein Fahrrad gekostet :P
Wie ihr seht, hab ich also sehr viel Freizeit die ich natürlich auch nutze, momentan hauptsächlich um zu reisen. Essen bekommen wir auch viel vom Kfar Ofarim (Autistenheim), sodass wir das Essensgeld kaum benötigen. Somit stehen mir monatlich 1200 Shekel (ca.260€) plus das Kindergeld von 180€ zur Verfügung. Ich sags euch, für mich ist das echt en Luxus ;)
Kurz noch was zur Wohnsituation: mit Andy hab ich mich echt gut angefreundet, mit arbeiten auch direkt nebeneinander (gemeinsame Küche) und machen immer gemeinsame Trips durch die Ära. Auch mit den anderen verstehn wir uns ganz gut, haben aber nicht mit jedem so viel zu tun, verständlicherweise. Probleme sind zum Glück nur die Gewöhnlichen (Wer hat sein Geschir nicht abgewaschen? Wer hat noch kein Wassergeld gezahlt? Wann putzen wir mal wieder? AAAAAAAHHH!!!!! Sind die FETT geworden! (Dabei sind die Kakerlaken gemeint).
Ansonßten kann ich mich nicht beklagen, auf den Straßen findet man so ziemlich alles was man zum Leben braucht :)
Gestern hat übrigens endlich unser Ulpan (Sprachkurs) angefangen! Jeden Montag 2Stunden über ein paar Monate hinweg. Leider nichts sonderlich viel dafür aber intensiv. Die Lehrerin ist echt qualifiziert und macht ihre Arbeit gut, auch wenn auf Englisch.
Okay jetzt mal was zur Arbeit. Das Kfar ist ein großes Haus mit Außenanlage und hohem Zaun drum. Es hat einen Pool, Großküche, Wäscherei, Kraftraum, Sportplatz, Auditorium, viele Einzelräume für Workshops, Therapien und Entertainment (Keramik, Yoga, Karaoke, Perlenketten basteln, chinesisesch Massage-Zeugs, Drama-Therapie, Musik, Trommel-Workshop, uvm.). Sehr vielfältig, aber leider auch sehr primitiv da die Leute es leider einfach nicht so drauf haben. Und den größten Teil machen die 8Apartements aus mit je 9Autisten. Sie werden hier "Häauser" (Beit) genannt. In einer Schicht arbeiten 3Guides (Aufpasser), nur in der Nachtschicht wird alleine gearbeitet. Die meißten Guides sind zwischen 23 und 33 Jahre alt (so ganz grob) und sind größtenteils echt nett, auch wenn es mit manchen etwas Zeit gebraucht hat um warm zu werden. Welch ein Glück, dass ich in Beit Gefen arbeite, in dem scheinbar die coolsten Friends und Mitarbeiter arbeiten. Und ja, mittlerweile macht es immer mehr Spaß hier zu arbeiten. Einen typischen Tagesablauf gibt es nicht. Jeder Tag ist anderst. Zum einen hat jeder Friend seine bestimmten Aktivitäten die er besucht, oftmals fällt aber auch was aus, dann dürfen wir improvisieren. An Pool-Tagen versuch ich mir immer einen von den Friends zu schnappen und ihn in den Pool zu zerren. Wenn sie nicht wollen, geh ich eben alleine ;)
Naja aber so ganz grob mal der Ablauf: Wenn ich ankomm dusche und ess ich erst mal in Ruhe so ne Stunde, da die Friends gerade Nickerchen machen. Um 4 gibt es "aruchat arba", eine kleine Zwischenmahlzeit. Anschließend geht man in den Garten, wo man eigentlich nur rumsitzt, Basketball spielt oder hebräisch lernt oder aber mit den Guides sich unterhält. Alternativ gibt es von 4 bis 6 an vielen Tagen den Pool, welchen ich natürlich bevorzuge. Ab 5 ungefähr beginnen die Aktivitäten der Friends. Was ich beinah vergessen habe, am Nachmittag wird die Wäsche gemacht ("gwisa"). Ein sehr zeremonieller Akt. Itai und ein Guide holen die Wäsche mit dem Aufzug ins Haus, die Guides legen sie zusammen, Moti räumt sie auf (seine Lieblingsbeschäftigung). Ich versuch ihm gerade beizubringen alles selber zu machen. Anschließend muss Gili auf seinem Platz immer seine Wäsche mit mindestens einer Unterhose und einem schwarzen oder blauen Pärchen Socken (je nach dem worauf er gerade Lust hat) liegen. Wenn außerdem jemand anderes seine Klamotten trägt, ist er eiskalt und zieht sie ihm aus, egal ob auf dem Klo oder ob er gerade mitten in der Küche steht. Um 7 Uhr circa gibt es Abendessen, was von uns nur noch auf die Teller verteilt und eventuell warm gemacht werden muss. Davor wird jeder geduscht ("miklachat") der es nicht selbständig kann. Nach dem Essen kommt irgendwann noch die Medizin und danach sind sie wie tot, der Tag ist zu Ende (ca. 8Uhr). Dann schaut man Fernseh, macht lustige Spielchen mit den Autisten und versucht sie ins Bett zu bekommen. Zähneputzen ist natürlich auch noch irgendwo drin. Folglich kommt es des öfteren vor, dass wir eine Stunde früher gehen, je nach dem wann man mit der Arbeit fertig ist. Manche Tage gehen schnell vorbei wenn man was zu tun hat, aber vor allem am Wochenende, da die religiösen Juden ja nicht arbeiten dürfen, findet auch kein Programm statt und somit langweilt man sich hauptsächlich. Welch ein Glück dass wir Computer im Haus haben...
Im alten Teil des Kfars (in dem ich arbeite) sind die Apartements noch etwas kleiner und zwei müssen sich eine Küche teilen. Bis auf dass es recht eng ist find ich das aber ganz nett, da man sich gegenseitig untersützen kann und einfach flexibler ist. Ist im eigenen Haus grad nichts los, schaut man halt zu den anderen rüber, hat jemand Geburtstag oder es ist Shabbat, feiert man zusammen. Zudem dass wir hier sehr viel Geburtstag feiern (Itais haben wir innerhalb von ein paar Wochen schon dreimal gefeiert! Und bei Chraimons haben wir einen Ausflug in einen Park gemacht und gegrillt). Es gibt immer wieder willkommene Abwechslungen, beispielsweise letzte Woche ein Betriebsausflug in ein edles Hotel in Herzlya am Meer mit Pool und fettem Essen! Und ja, wir haben uns ordentlich im Fett gelabt.
Mein Hausmanager, Iftach, ist echt nett. Er kann zwar nicht gut Englisch und spricht immer sehr leise und ist sowieso ein sehr ruhiger Typ aber er versucht einem jeden Wunsch zu erfüllen und ist sehr verständnisvoll. Es geht das Gerücht herum, dass er schwul sei, was ich mir auch durchaus vorstellen kann, aber das wirkt sich glücklicherweise ja nicht negativ auf unser Arbeitsverhältnis aus :)
Meine Friends sind auf sehr unterschiedlichem Niveau. Der bunte Mix macht es aber erst richtig interessant, spaßig und abwechslungsreich. Manchmal kringelt man sich vor Lachen, oft macht es mich traurig ihre Eingeschränktheit zu sehen, ebenso können sie einen total nerven und langweilen. Die Vorstellung jedes Einzelnen werd ich aber wohl verschieben um den Post nicht zu voll zu stopfen und zeig euch dann ein paar Bilder.
Übrigens: Meine Wohn- und Arbeitsadresse findet ihr jetzt unter der Rubrik Kontakt. Bitte schickt nur an die Arbeitsadresse, dass ist sicherer und einfacher für mich. Ich freu mich über jede Nachricht von euch, wenn ihr auch Post wollt, gebt mir einfach eure Adresse...

So beende ich nun diesen Post mit sonnigen Grüßen und wünsch euch Gottes Segen!
Shalom, euer Raphi

Mittwoch, 29. September 2010

Wie Maria und Josef

Wieder einmal 2Tage frei gehabt und prompt mit Andy nach Bethlehem gefahren. Erster Zwischenstop war in Jerusalem nahe der Central Bus Station das kleine Tal Lifta. Wunderschöner Ort mit alten Häusern, einer Quelle und viel Ruhe. Schaut euch am besten die Bilder an!
Abends gings dann mit dem Bus ins palästinensische Autonomiegebiet Bethlehem. Da waren wir also, mitten in Bethlehem, mitten in der Nacht. Naja... wir haben uns mal wieder nicht informiert und wussten so auch nicht wo wir schlafen konnten, geschweige denn, dass wir überhaupt eine Orientierung gehabt hätten. Also sind wir einfach mal drauf losgelaufen, immer gerade aus, in der Hoffnung in die Natur zu kommen um unsere Hängematten aufzuspannen. So fragten wir einen Araber nach dem anderen, wo es aus der Stadt raus geht und die Antwort war: "Yes". Eigentlich haben sie auf alles mit "Yes" geantwortet. Auf der Suche sind wir sogar zufällig an der Geburtskirche wo die Krippe und der Stall früher einmal standen, vorbeigekommen. Irgendwann hat ein Mann dann doch verstanden, dass wir schlafen wollen ohne etwas zu zahlen und nahm uns zunächst einmal mit nach Hause, wo wir schon sehnlichst von der ganzen Familie erwartet wurden. Kurz darauf ließen sie uns ein Taxi rufen und geleiteten uns zu einer anderen Wohnung, eine Minute von der Geburtskirche entfernt. Dort wurden wir gemästet mit Pitta, frisch gepflückten Äpfeln, Feigen und Granatäpfeln und abgefüllt mit Kaffee und Tee... während uns die ganze Familie dabei beobachtete. Wohlbemerkt, wir konnten uns immernoch kaum verständigen und haben uns folglich schweigend angelächelt. Um 12Uhr gings dann ab ins Bett, morgens wurden wir wieder mit Frühstück versorgt und dazu gedrängt, doch noch mit ihnen Mittagzuessen. Folglich willigten wir ein, machten uns bis dahin nochmals auf den Weg um die Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Das Highlight war definitiv das Hirtenfield, was
gar nicht so einfach zu finden war. Der Grund dafür ist, dass wir immer in die entgegengesetzte Richtung geschickt wurden, wie uns die Schilder geführt hätten. Mit einem alten Sherut gelangten wir letztlich für 2Shekel (40Cent) doch noch ans Ziel. Das Geniale hier war nun, dass es ein zugängliches Höhlensystem gab, in dem der liebe Schäfer gewohnt haben soll. Dieses war unbeleuchtet, teilweise sehr eng und menschenleer, sodass wir unsere eigene Expedition durchführen konnten. Eine Lampe hatten wir nicht, so nahmen wir den Kamerablitz zu Hilfe. Die letzte Sehenswürdigekti war die Milchgrotte über die ich mich nur aufgeregt habe, da sie reine Marienverehrung ist. Dort soll beim Stillen ein Tropfen Milch auf den Stein gefallen sein, welche sich folglich weiß verfärbte. Aaaaaaaah!
Beim Mittagessen war die Familie auf einmal doppelt so groß. Denn weitere Verwandte wurden eingeladen um uns beim Essen zuzusehen. Eine war gerade aus Australien zu Besuch da, deren Eltern aus Jordanien ausgewandert sind. Somit hatten wir endlich eine Dolmetscherin. Das Essen war mega, für uns haben sie sogar Fleisch gekauft. Es war unglaublich interessant mit den Leuten zu reden und Meinungen auszutauschen, wovon ich euch natürlich nichts vorenthalten möchte. Zunächst ist die Familie sehr arm, lebt quasi in einer Bruchbude, Vater und Sohn verdienen ihr Geld mit Putzen, wovon über die Hälfte an die Bank geht wegen eines Kredites. Zudem gibt es in Palestina keine Versicherungen und der Sohn hatte einen Autounfall, bei dem er jemanden angefahren hat. Folglich muss die Familie jeden Monat über 1000Shekel bezahlen plus zusätzliche Kosten wie Klamoten kaufen oder ähnliches... für den Betroffenen! Der Monatslohn beträgt 2400Shekel. Mohammed, der Vater hat auch zwei seiner Brüder verloren, da der eine den anderen abgestochen hat und letzlich an Drogen zu Grunde gegangen ist. Doch trotz dieser Umstände waren sie die freundlichsten und hilfsbereitesten Menschen denen ich je begegnet bin. Ein Dankeschön finanzieller Form nahmen sie nicht an, wollten uns aber gar nicht mehr gehen lassen und haben uns für Weihnachten bereits eingeladen. Neugierig hab ich sie über den Islam ausgefragt und den aktuellen Konflikt, wobei sie einen sehr liberalen Standpunkt einnehmen. Sie finden Israel genau so gut wie Palestina, behaupten jedoch auch, dass im Koran nichts über legitimierte Gewalt gegenüber Nichtmuslimen stände. Man merkt schon, so langsam wirds kritisch. Was sie glauben, wie der Konflikt enden wird, ist die Position des Korans. Dass Allah die Juden vernichtet und den Moslems das Land gibt. Nun ja es gäbe noch viel zu berichten, doch fahren wir fort. Später ging es zu zehnt im kleinen Taxi zur Wohnung einer der Töchter, wo Andy und ich mit den Kindern einen Trip durch die Natur machten. Wir sind auf einen Berg am Rande Bethlehems, welche besiedelt ist von streunenden Hunden. Hier waren wir direkt an der Grenze, hinter dem dreifachen Zaun befand sich bereits eine israelische Straße.
Nachdem des dunkel wurde brachen wir wieder auf nach Jerusalem, wobei wir zunächst den Checkpoint durchlaufen mussten. Sehr spannend, allein zwischen Mauern, Gittern und Kameras. Als wir den Ausgang gefunden hatten fragten wir die Autofahrer nach einem Bus, diese erzählten uns alle, dass keiner mehr kommen würde. Nach zehn Minuten kam jedoch einer. Die Taxi- und Autofahrer lügen und betrügen wo es nur geht um an Geld zu kommen, das war leider die negative Seite, der wir begegnen mussten in Palästina. Von Jerusalem gings dann nach Tel Aviv und von dort aus nach Hause. Da aber niemand zuhause war und wir die Schlüssel vergessen haben mitzunehmen, standen wir vor verschloßener Tür. So klingelten wir im 7.Stock bei der Wohnung über unserer in der Hoffnung, uns von oben abseilen zu dürfen um ins Fenster einzusteigen. Leider hat unsere Überredungskunst nicht gereicht :( Über Umwege sind wir letztlich um 1Uhr nachts bei unserer Arbeitsstelle angekommen, über die Zäune und Feuerleitung reingeklettert und haben dann dort übernachtet. Um 7Uhr heute morgen began dann unsere Schicht :)
So und das war die Story von unserem sehr eindrucksvollen und bewegendem Ausflug, der uns letztlich nur 15Euro gekostet hat.

Freitag, 17. September 2010

Mit dem Einkaufswagen und Hausschuhen von Tel Aviv nach Hause

In diesem Moment ist für 24Stunden Jom Kippur, das heißt, es fahren absolut keine Autos auf den Straßen. Nur blöd, dass Andy und ich heute zu lange in Tel Aviv beim Baden waren und um 14:30Uhr bereits kein Bus mehr fuhr. Da uns das Taxi zu teuer war, blieb uns keine andere Wahl mehr als zu laufen. 15 Kilometer auf der dreispurigen Hauptstrasse durch die Betonwüste nach Hause ...mit dem Einkaufswagen! Am Straßenrand fanden wir alles was zum Leben braucht. Gefüllte Wasserflaschen, frische Datteln und natürlich einen Einkaufswagen. Den haben wir uns prompt geschnappt und uns gegenseitig herumkutschiert. Damit waren wir natürlich die Attraktion für die Kinder, die massenweise mit Fahrrad, Inliner oder Dreirad auf den Straßen gerast sind. Wir konnten es kaum glauben, aber nach 41/2 Stunden waren wir tatsächlich zuhause angekommen.

Mittwoch, 15. September 2010

Reise nach Jerusalem

Montag, Dienstag und Mittwoch hatte ich frei und verbrachte die Tage in Jerusalem. Die Hinfahrt ist billig und dauert nicht mal eine Stunde, übernachten konnte ich bei anderen Volontären in Gilo. Am ersten Tag waren wir die Altstadt, Grabeskirche und Klagemauer besichtigen und sind abends noch in eine Bar gegangen. Es war sehr interessant so viele verschiedene Religionen in ihren Extremen auf so engem Raum miteinander zu beobachten. Die Ultrasuperhyperorthodoxen Juden die ständig mit ihrem Oberkörper herumwackeln, die christlichen Spinner welche ihren gesamten Einkauf über den angeblichen Grabstein Jesu ziehen oder mit einem Holzkreuz die Via Dolorossa hoch stiefeln, bis zu den strengen und ernsten Muslimen in deren Hinterhöfe man besser nicht gelangen sollte, da man von fanatischen Kindern mit Spielzeugwaffen abgeschossen, Milchpackungen abgeschmissen und den heftigsten Ausdrücken beworfen wird. Letztere sieht man auch haufenweise über LAN Ego-Shooter zocken, so viel erst mal zum Thema Deeskalation. Eindrucksvoll sind Bilder von jüdischen Soldaten, welche an der Klagemauer beten, einmal ganz abgesehen davon, dass es kaum einen Fleck gibt wo in Jerusalem keine Soldaten, Polizisten oder Zivilisten mit Waffen zu sehen sind. Die Altstadt kam mir mehr vor wie ein Touristendorf und eine Ansammlung religiöser Spinner und Fanatiker, leider weniger als ein heiliger Ort oder gar Stadt. Da wundert es mich nicht, dass Heiden durch ein solches Spektakel die Glaubwürdigkeit des Christentums stark in Frage stellen.
Vom Ölberg aus konnte man eine wunderschöne Sicht sowohl über Jerusalem, also auch in die palästinensischen Autonomiegebiete genießen. Der Garten Gethsemane und der Felsendom sind ein anderes mal dran, da wir keine langen Hosen an hatten. Die Stadt bietet jedoch noch unzählige weitere Facetten, wie die Mea Shearim, das superultrahyperorthodoxe Judenviertel in der heute das größte Verkehrschaos war, da sie alle ihre Wände und Dächer für die Laubhütten zusammensammeln. Stichwort Sukkot. Am letzten Tag hab ich mich dann in christlichen Häusern noch rumgetrieben. Zum einen ein wunderbarer Bibelladen und zwei 24/7-Prayer Räume. Wer nicht weiß was das ist, da wird rund um die Uhr an jedem Tag gebetet. Der eine befindet sich an einem Hang nahe Berg Zion mit wunderschöner Aussicht. Dort gab es rund um die Uhr Lobpreis was ich zunächst ganz gut fand, letztlich der Fokus aber wieder zu sehr auf der Musik statt auf Gott lag. Der zweite ist direkt an der Jaffa-Street mitten in der City im 14.Stock! Von dort aus kann man ein wunderschönes Panoramabild in beinach jede Himmelsrichtung über Jerusalem genießen. Ihr Hauptanliegen ist das Zurückkehren der Juden nach Israel. Danach hab ich beim großen Jerusalemer Markt noch richtig billig zu Essen eingekauft und bin daraufhin abgefahren. Was mir gerade noch einfällt, der Verkehr in Jerusalem ist der Hammer! Alle hupen und drängeln und fahren bei rot erst mal bis zur Mitte der Kreuzung um alles zu blockieren und das beste sind die Buse, denn die gleichen einer Achterbahn. Egal ob Kurven oder Strassenunebenheiten, immer mit Vollgas drüber und am besten auch bei rot beschleunigen um möglichst scharf abbremsen zu können. Kann ich nur empfehlen :)
Übrigens: Die ersten Bilder sind online! Es folgen bald weitere.

Freitag, 10. September 2010

Shana Tova!

Chag sameach! heißt soviel wie "Schöne Feiertage!" Die letzten zwei Tage war hier Rosch Haschana (Kopf des Jahres) also Neujahr! Willkommen im Jahre 5771 nach Erschaffung der Erde! Da durfte ich arbeiten und hab ein bischen mit den Autis gefeiert, sofern es möglich war. Heute und morgen hab ich frei und da Shabbat ist, werde ich wohl mal die Gemeinde in Tel Aviv aufsuchen. Meine erste 5Tage-Arbeitswoche hab ich nun also hinter mir. Am ersten Tag gabs gleich ein fettes Festessen, das hat mir natürlich sehr gemundet. Und dann kam ich in mein Haus, Beit Geven. Da wohnen 8Männer, der älteste ist 52, und eine Frau die unterbrochen labert. Es arbeiten immer 3 Guides, also Mitarbeiter in einer Schicht. Ich hab momentan immer die Abendschicht, von 15-22Uhr. Das ist ganz gut, da pennen die erst mal alle und danach sind die Aktivitäten wir Pool, Musik, Garten, Kraftraum, Keramik, Yoga und vieles mehr. Ansonsten dürfen wir Essen machen, beim duschen helfen und ins Bett bringen. Das wars eigentlich auch schon. Somit ist es eine echt lässige Arbeit und momentan sitz ich fast nur auf der couch und lern hebräisch um der Langeweile vorzubeugen. Die Leute hier sind alle echt nett. Auch die Wohnungsgeschichte hat sich nun geklärt. Alle 7 Volos wohnen nun in Petach Tikva, Bilu 18. Ich hab aber keine Ahnung wie wir auf dem Briefkasten heißen :P Besser ist es also, man schickt die Post direkt ans Kfar. Die Adresse kommt noch.

Samstag, 4. September 2010

Shabbat in Tel Aviv

Morgen geht die Arbeit los, heute ist Shabbat. Das heißt, gar nichts los! Aber jetzt mal von vorne. In Haifa gab es eine nette Überraschung; zwei weitere Volontäre kommen zu uns in die Einrichtung! Ihre wurde nämlich kurzfristig gestrichen. Somit sind wir nun 5 Jungs und 2 Mädels. Am Mittwoch Abend wurden wir in unsere Appartements gebracht. Es gibt zwei 6er-WGs, womit wir natürlich überhaupt nicht zufrieden sind. So kamen die einen vorübergehend nach Ramat haScharon und die anderen (inklusive mir) nach Petah Tikva. Vermutlich werden wir alle sieben dennoch nach Petah Tikva ziehen, da die Wohnung schöner ist :P Sechster Stock, hell, groß, schöne Aufteilung, laut und dreckig. Gestern haben wir nen Ausflug gemacht nach Tel Aviv. Der Strand ist herrlich! Schöner Sand, schöne Wellen und warmes Wasser. Abends wollten die Jungs einen Saufen gehn und wir sind ewig lang durch ganz Tel Aviv gestiefelt und haben eine Bar gesucht. Das verwunderliche Ergebnis: Wir haben zum Glück keine gefunden ;)
Die Leute hier sind alle super nett und hilfsbereit (also die Israelis) und auch mit meinen Mitbewohnern wirds immer entspannter. Hebräisch haben wir auch schon angefangen zu lernen, fällt mir erstaunlich leicht sogar! So um die 100 Vokabeln hab ich schon drauf und die Schrift wird auch langsam.
Danke übrigens auch für all die Spenden! Jetzt fehlen nur noch ca. 300 €uro!

Mittwoch, 1. September 2010

Ankunft, Haifa und Petah Tikva

Shalom!
Heute Abend sind wir in unsere Appartements gekommen und haben bis Sonntag (erster Arbeitstag in Israel) erst einmal frei! Es gibt bereits bis jetzt schon jede Menge zu erzählen. Also fang ich mal an.
Fliegen war cool! Nur bei der Landung hats ordentlich auf den Kopf gedrückt. Umsteigen in Athen war kein Problem. Überall haben sie gepennt. Aber ich hab lieber das kostenlose Internet im Terminal genutzt um den ersten Kontakt nach zuhause zu pflegen. Morgens um 4Uhr circa bin ich dann in Tel Aviv angekommen. Kaum ausgestiegen begegnen einem als erstes Soldaten mit Maschinengewehren und eine musste natürlich ausgerechnet mich raus picken und erstmal ausquetschen. Das überstanden fand ich am Ausgang den lieben Mann, der mich und zwei andere Volos abholen sollte. Warum sollte? Sein Auto war kaputt :( Also hat er rumtelefoniert und mal da und mal dorthin gelaufen und irgendwann war er weg. Aber ein Freund von ihm kam ihm Auto, sprach aber nur hebräisch, sodass wir ihn auch nichts fragen konnten. Irgendwann hat er mir sein Handy in die Hand gedrückt und es versuchte mir jemand auf sehr unverständlichem Englisch etwas zu sagen. Aufgelegt. Dann kam ein Sprinter und wir dachten der Typ wär unser Gesandter, da er exakt gleich aussah und das gleiche an hatte, haben aber noch rechtzeitig rausgefunden, dass er es doch nicht war. Dann folgte ein zweiter Anruf. Etwas verständlicher und mit dem Resultat, dass sein Freund der nur hebräisch kann mit uns letztlich losgefahren ist. Hundert Meter, dann war erst mal Pause. Wir waren an einer Schranke, wo man bezahlen musste, wie in Deutschland, um rauszukommen. Ja und selbst da hatten wir Probleme. Der Automat wollte das Geld nicht schlucken. Folglich hat sich unser hebräischer Freund erst mal an diesem abreagiert. Irgendwann waren wir dann auf der Autobahn, als plötzlich rechts von uns ein Taxi auftaucht in welchem unser Gesandter fuhr! Mitten auf der Autobahn hielten wir dann und sind umgestiegen und den letzten Weg bis nach Haifa im Taxi gefahren. Als es hell war kamen wir schließlich im Rutenberg Institut für Jugend-Erziehung an. Das liegt mitten auf dem Karmel-Berg, oberhalb der Bahai-Gärten, dem Zentrum der Bahai-Religion. Von dort aus hat man einen herrlichen Blick über Haifa bis nach Akon hoch. Bilder folgen sobald es mir möglich ist! Den Rest erzähl ich euch bald.
Lehitraot!

Sonntag, 29. August 2010

Bin da!

So jetzt bin ich in Haifa zum Vorbereitungsseminar bis Mittwoch. Mehr Infos folgen noch... Ist aber alles problemlos verlaufen. Liebe Grüße an alle!

Dienstag, 24. August 2010

Abschiedsfeier

Diesen Samstag Abend gehts los mit dem Flieger von München über Athen, wo ich 3 Stunden mitten in der Nacht Aufenthalt hab. Und diesen Freitag, am 27.August findet der offizielle Abschied statt. Um 19Uhr im Jugendraum der FCG Ravensburg, Meersburgerstraße 150 in der Weststadt. Jeder ist eingeladen! Wer möchte kann den Abend gerne mit einem Programmpunkt bereichern und Fingerfood mitbringen. Getränke werden gestellt, an der Cocktail-Bar wird ausgeschenkt :) Übrigens dürft ihr euch noch auf eine letzte Rede von mir einstellen...
Zu den Finanzen noch kurz, von den 1200€ fehlen noch immer 485€.

Dienstag, 10. August 2010

Die letzten Vorbereitungen

Also um ehrlich zu sein, teilweise sind es auch die ersten Vorbereitungen. Noch 3 Wochen, dann geht es los und ich hab noch nicht einmal begonnen Spenden zu sammeln. (Das war ein Aufruf an DICH! :P )
Am Mittwoch mach ich noch meine Auto-Fahrprüfung, Motorrad kommt auch noch, hab aber noch nicht angefangen...
Am 27.August wird es übrigens eine Abschiedsfeier geben im Jugendraum der FCG-RV. Ist ein Freitag Abend, voraussichtlich 19Uhr, weitere Infos folgen noch.
Bevor ich es vergesse! Mein Einsatzort hat sich nochmal geändert. So bin ich nun nicht in Jerusalem sondern 10km nordöstlich von Tel Aviv, in Ramat haScharon. In dieser Stadt mit rund 35.000 Einwohnern befindet sich das Kfar Ofarim, eine Einrichtung von Alut für autistische Menschen. Ich bin schon sehr gespannt darauf!

Mittwoch, 26. Mai 2010

Endlich endgültig!

Soooo jetzt hab ichs endlich sicher in der Tasche! Am 28.August geht mein Flieger nach Tel Aviv, Israel.
Diese Woche war ich in Gießen beim Vorstellungsgespräch und werde in Jerusalem bei Shekel arbeiten.
Übrigens: Nach Gießen kam ich mit Mitfahrgelegenheit.de und dort beherbergt hat mich Rody Azebaze aus Kamerun, übrigens auch Christ :) ...über Couchsurfing.org

Samstag, 6. März 2010

Bin Erster!!!

Soooo... das wäre dann wohl mein Blog.
Warum? Ich geh nach Israel :)
Übrigens freu ich mich auch über Spenden. Es gibt ja tatsächlich Leute die haben für so was Geld übrig! Tja, warum auch nicht.