Donnerstag, 24. Februar 2011

Ausbruch aus Armageddon!

Wir befinden uns im Jahre 5771, Ende des Monats Adar. Die Sonne steht tief, die Ruinen Armageddons werfen kühle Schatten. Noch ist es totenstill auf Har Megiddo. Die Tore sind verschlossen, der Wassertunnel verriegelt, wir, umgeben von Stacheldraht. Der weite Blick in die Yezreel-Ebene lässt keine Hoffnung ersehen. Schließlich erblickten wir eine schwache Stelle zum Ausbruch aus Armageddon, stapften im geschützten Graben, krochen durch einen Abwasserkanal, balancierten auf der Wasser-Pipeline, nachdem wir schnell und unauffällig den Highway überquert hatten. Als wir an einem Gefangenenlager angekommen waren, erkauften wir uns mit den letzten Münzen eine Fahrt, möglichst weit weg von hier. Nach mehreren Stunden konnten wir uns endlich in unserem Bunker verschanzen.
Wir waren zuhause angekommen :)
Andy und ich waren wieder einmal für 4Tage unterwegs und haben diesmal das Gebiet Galiläas im Norden Israels erkundet. Wir begannen in stürmischem Regen und gigantischen Wellen welche gegen die Befestigungsmauern der Kreuzfahrerstadt Akko preschten. Man aß den besten Humus Israels des Arabers Said und bewunderte die massiven Bauwerke der Kreuzritter. Am Abend bekamen wir eine Ausbildung des Grafen Magar und konnten in einem Kinder- und Jugendheim übernachten. Am nächsten Tag erreichten wir per Anhalter Bet Shearim, das Haus der Tore zwischen Leben und Tod. In den in Kalkstein gehauenen Grabhöhlen wurden bedeutende Rabbiner in verzierten Sarkophagen begraben. Anschließend stiegen wir in Nazareth die arabische Stufensiedlung durch den Nebel bis zum Gipfel hinauf und stellten uns vor, welch eine atemberaubende Aussicht man erblicken könnte. Zudem besuchten wir dort Marie und Josef mit ihrem Bubi zuhause, wo man jedoch nur durch Betreten einer Kirche hingelangen konnte. Diesmal nahmen wir das erste Mal ein Hostel, welches sogar über einen eigenen Quell mit Trinkwasser versorgt wird (abusaeedhostel.com). An Tag drei hatten wir endlich Sonne und verbrachten einen Tag in Tiberias, Andy unternahm ein jüdisches Ritualbad im schmutzigen und seit 7Jahren 5Meter zu niedrigen See Genezareth. Mit einer Wanderung am Jordan zum Sonnenuntergang schloßen wir den Tag ab und wurden in einem Kibbuz von einem netten, jungen Pärchen aufgenommen (couchsurfing.org). Am letzten Tag brachen wir auf zum Gan HaShlosha, einer wunderschönen warmen Quelle (28°C) umgeben von Palmen und liessen uns von kleinen Fischen verhornte Haut abnagen. Nach einem Besuch im Nationalpark Tel Megiddo (Armageddon) fuhren wir wieder nach Hause.

"Und er versammelte sie an den Ort, der auf Hebräisch Harmagedon heißt." Offb. 16,16

Donnerstag, 10. Februar 2011

ירושלים

Jetzt ist es soweit. Gestern bekam ich meine Bestätigungsmail, dass ich ab 1.März in Jerusalem bei "Shekel" arbeiten werde. Einerseits freue ich mich natürlich total, dass es so einfach geklappt hat, andrreseits ist es auch schade mich von meinem jetzigen Arbeitsplatz und der WG zu verabschieden. Viele können meine Entscheidung nicht verstehen und sind sehr verwundert, dass ich auf einmal so plötzlich wechsel. Für mich ist es nochmals ein Neuanfang, da ich weder die Arbeitsstelle, noch meine zukünftige WG kenne. Aber ich bin gespannt auf die neuen Erfahrungen und gehe dem ganzen sehr positiv entgegen. Ende diesen Monats wird es eine Verabschiedungsfeier geben, bei der auch die ganzen Arbeitskollegen eingeldaen sein werden. Sie bedauern sehr dass ich gehe, am meißten jedoch mein Chef, Iftach.
Noch ein paar Worte zu Shekel; Vor Beginn meines Israelaufenthalts war ursprünglich geplant, dass ich bei Shekel in Jerusalem eingesetzt werde. Kurzfristig wurde dann umdisponiert, mit der Begründung, man brauche mich als Junge dringend in Kfar Ofarim. Nun, da sich die ganze Lage entspannt hat, hinterlasse ich auch keine all zu große Lücke. Die neue Einrichtung arbeitet nicht mit Autisten, sondern mit körperlich Behinderten, meißt mit mentalen Schwächen. Im Klartext heißt das für mich; Viel Pflegearbeit, Füttern, Rollstühle durch die Gegend schubsen und nicht mehr faul im Pool rumchillen (wie bisher). Ich werde erwachsen :P
Themenwechsel, Cäsarea: Gestern haben Andy und ich noch einen Tagestrip nach Cäsarea unternommen und richtig Glück mit dem Wetter gehabt, während es heute schon wieder regnet und den Tag davor sogar hagelte. Bilder werde ich bald hochladen, von mir noch ein paar Infos zum Schauplatz. Einstmals bedeutenste Stadt Israels ist die nördlich gelegene Hafenstadt heute mehr eine große Ausgrabungsstätte mit Kibuz und einem wirklich schönen Industriegebiet nebenan. Hier war Paulus in Gefangenschaft und wurde nach Rom verschifft. Zwei Filme haben wir uns auch angeschaut (hebräisch & deutsch) über die Bedeutung, Geschichte und Bauweise der gigantischen Anlagen. Auf jeden Fall sehr sehenswert und beeindruckend.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Das neue Jahr bringt Veränderung

Nun melde ich mich einmal wieder, da es endlich wieder was zu berichten gibt. Ausflüge waren bei uns im Winter eher rar, da es auch bei uns regnet und in Jerusalem sogar schneite! So viel zu den Temperaturen. Sylvester wurde in Tel Aviv gefeiert, an sich nichts Besonderes. Aber was gibts Neues? Einerseits bin ich dabei einen Film zu erstellen über meine Zeit hier in Israel, auch mit einigen Bildern und Videos von der Arbeit. Ich könnt also schon gespannt darauf sein, wann er fertig ist, kann ich aber noch nicht sagen. Die technischen Mittel sind etwas beschränkt :) Im Januar gab es noch einen kleinen Schritt mit eventuell großer Auswirkung, nämlich habe ich mich an der Hochschule in Weingarten für den Studiengang "Soziale Arbeit" beworben. Ja, ich habe mich endlich entschieden zu studieren, nämlich im Sozialen Bereich. Der Gedanke war schon lange vorhanden, jedoch noch nicht beschlossen. Alternativen hab ich noch keine, bisher ist also erst eine Bewerbung raus.
Die letzten zwei Tage im Januar verbrachte ich in Jerusalem. Wir besuchten die Holocaust-Gedenkstätte "Yad Vashem" (= Ein Denkmal und ein Name) von unserer Organisation aus und besuchten anschließend den Internationalen Volontärstag ebenfalls in Jerusalem in einem Hotel. Yad Vashem ist wirklich sehr beeindruckend und lohnt sich öfters besucht zu werden. Der Volo-Tag war wohl eher das Gegenteil. Jeder sagt mal Danke in Hebräisch, Englisch und Deutsch. Als Rahmenprogamm wurden uns etwaige Blamagen geboten, wie eine nicht englisch-sprechenkönnende Abgeordnete des auswärtigen Amts in Israel. Danach entschied ich mich kurzfristig noch einen weiteren Tag in Jerusalem zu verweilen und bin mit David, einem Volo von der Einrichtung "Shekel" in Jerusalem durch die Stadt geschlendert. Dabei besuchten wir den größten Second-Hand Buchladen Israels und ich erwarb die ersehnte 600seitige "Hebräische Grammatik" von Wilhelm Gesenius in deutsch. So steig ich nun in die nächste Etape meines Hebräisch-Limudim, der spezifischen bibelhebräischen Grammatik und dem Vokabular desselben. Die wohl bedeutendste Veränderung, welche bisher zwar nur ein Gedankengebäude ist, betrifft die Arbeit. Heute habe ich die Anfrage gestellt, nach Jerusalem zu wechseln. Grund dafür ist lediglich die Umgebung, sprich Tel Aviv. An der WG und der Arbeit gibt es definitiv nichts auszusetzen, aber Tel Aviv und Petach Tikva, meinem aktuellen Wohnsitz, sagt mir überhaupt nicht zu. Für mich ist es nur eine dreckige, weltliche Großstadt und nichts weiter. Welch ein Glück, meine Chanchen stehen gut. In Jerusalem werden Volos gesucht und ursprünglich war es sowieso meine Erstwahl.
Nun dann... Friede mit euch!