Wieder einmal 2Tage frei gehabt und prompt mit Andy nach Bethlehem gefahren. Erster Zwischenstop war in Jerusalem nahe der Central Bus Station das kleine Tal Lifta. Wunderschöner Ort mit alten Häusern, einer Quelle und viel Ruhe. Schaut euch am besten die Bilder an!
Abends gings dann mit dem Bus ins palästinensische Autonomiegebiet Bethlehem. Da waren wir also, mitten in Bethlehem, mitten in der Nacht. Naja... wir haben uns mal wieder nicht informiert und wussten so auch nicht wo wir schlafen konnten, geschweige denn, dass wir überhaupt eine Orientierung gehabt hätten. Also sind wir einfach mal drauf losgelaufen, immer gerade aus, in der Hoffnung in die Natur zu kommen um unsere Hängematten aufzuspannen. So fragten wir einen Araber nach dem anderen, wo es aus der Stadt raus geht und die Antwort war: "Yes". Eigentlich haben sie auf alles mit "Yes" geantwortet. Auf der Suche sind wir sogar zufällig an der Geburtskirche wo die Krippe und der Stall früher einmal standen, vorbeigekommen. Irgendwann hat ein Mann dann doch verstanden, dass wir schlafen wollen ohne etwas zu zahlen und nahm uns zunächst einmal mit nach Hause, wo wir schon sehnlichst von der ganzen Familie erwartet wurden. Kurz darauf ließen sie uns ein Taxi rufen und geleiteten uns zu einer anderen Wohnung, eine Minute von der Geburtskirche entfernt. Dort wurden wir gemästet mit Pitta, frisch gepflückten Äpfeln, Feigen und Granatäpfeln und abgefüllt mit Kaffee und Tee... während uns die ganze Familie dabei beobachtete. Wohlbemerkt, wir konnten uns immernoch kaum verständigen und haben uns folglich schweigend angelächelt. Um 12Uhr gings dann ab ins Bett, morgens wurden wir wieder mit Frühstück versorgt und dazu gedrängt, doch noch mit ihnen Mittagzuessen. Folglich willigten wir ein, machten uns bis dahin nochmals auf den Weg um die Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Das Highlight war definitiv das Hirtenfield, was
gar nicht so einfach zu finden war. Der Grund dafür ist, dass wir immer in die entgegengesetzte Richtung geschickt wurden, wie uns die Schilder geführt hätten. Mit einem alten Sherut gelangten wir letztlich für 2Shekel (40Cent) doch noch ans Ziel. Das Geniale hier war nun, dass es ein zugängliches Höhlensystem gab, in dem der liebe Schäfer gewohnt haben soll. Dieses war unbeleuchtet, teilweise sehr eng und menschenleer, sodass wir unsere eigene Expedition durchführen konnten. Eine Lampe hatten wir nicht, so nahmen wir den Kamerablitz zu Hilfe. Die letzte Sehenswürdigekti war die Milchgrotte über die ich mich nur aufgeregt habe, da sie reine Marienverehrung ist. Dort soll beim Stillen ein Tropfen Milch auf den Stein gefallen sein, welche sich folglich weiß verfärbte. Aaaaaaaah!
Beim Mittagessen war die Familie auf einmal doppelt so groß. Denn weitere Verwandte wurden eingeladen um uns beim Essen zuzusehen. Eine war gerade aus Australien zu Besuch da, deren Eltern aus Jordanien ausgewandert sind. Somit hatten wir endlich eine Dolmetscherin. Das Essen war mega, für uns haben sie sogar Fleisch gekauft. Es war unglaublich interessant mit den Leuten zu reden und Meinungen auszutauschen, wovon ich euch natürlich nichts vorenthalten möchte. Zunächst ist die Familie sehr arm, lebt quasi in einer Bruchbude, Vater und Sohn verdienen ihr Geld mit Putzen, wovon über die Hälfte an die Bank geht wegen eines Kredites. Zudem gibt es in Palestina keine Versicherungen und der Sohn hatte einen Autounfall, bei dem er jemanden angefahren hat. Folglich muss die Familie jeden Monat über 1000Shekel bezahlen plus zusätzliche Kosten wie Klamoten kaufen oder ähnliches... für den Betroffenen! Der Monatslohn beträgt 2400Shekel. Mohammed, der Vater hat auch zwei seiner Brüder verloren, da der eine den anderen abgestochen hat und letzlich an Drogen zu Grunde gegangen ist. Doch trotz dieser Umstände waren sie die freundlichsten und hilfsbereitesten Menschen denen ich je begegnet bin. Ein Dankeschön finanzieller Form nahmen sie nicht an, wollten uns aber gar nicht mehr gehen lassen und haben uns für Weihnachten bereits eingeladen. Neugierig hab ich sie über den Islam ausgefragt und den aktuellen Konflikt, wobei sie einen sehr liberalen Standpunkt einnehmen. Sie finden Israel genau so gut wie Palestina, behaupten jedoch auch, dass im Koran nichts über legitimierte Gewalt gegenüber Nichtmuslimen stände. Man merkt schon, so langsam wirds kritisch. Was sie glauben, wie der Konflikt enden wird, ist die Position des Korans. Dass Allah die Juden vernichtet und den Moslems das Land gibt. Nun ja es gäbe noch viel zu berichten, doch fahren wir fort. Später ging es zu zehnt im kleinen Taxi zur Wohnung einer der Töchter, wo Andy und ich mit den Kindern einen Trip durch die Natur machten. Wir sind auf einen Berg am Rande Bethlehems, welche besiedelt ist von streunenden Hunden. Hier waren wir direkt an der Grenze, hinter dem dreifachen Zaun befand sich bereits eine israelische Straße.
Nachdem des dunkel wurde brachen wir wieder auf nach Jerusalem, wobei wir zunächst den Checkpoint durchlaufen mussten. Sehr spannend, allein zwischen Mauern, Gittern und Kameras. Als wir den Ausgang gefunden hatten fragten wir die Autofahrer nach einem Bus, diese erzählten uns alle, dass keiner mehr kommen würde. Nach zehn Minuten kam jedoch einer. Die Taxi- und Autofahrer lügen und betrügen wo es nur geht um an Geld zu kommen, das war leider die negative Seite, der wir begegnen mussten in Palästina. Von Jerusalem gings dann nach Tel Aviv und von dort aus nach Hause. Da aber niemand zuhause war und wir die Schlüssel vergessen haben mitzunehmen, standen wir vor verschloßener Tür. So klingelten wir im 7.Stock bei der Wohnung über unserer in der Hoffnung, uns von oben abseilen zu dürfen um ins Fenster einzusteigen. Leider hat unsere Überredungskunst nicht gereicht :( Über Umwege sind wir letztlich um 1Uhr nachts bei unserer Arbeitsstelle angekommen, über die Zäune und Feuerleitung reingeklettert und haben dann dort übernachtet. Um 7Uhr heute morgen began dann unsere Schicht :)
So und das war die Story von unserem sehr eindrucksvollen und bewegendem Ausflug, der uns letztlich nur 15Euro gekostet hat.
Mittwoch, 29. September 2010
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