Freitag, 11. März 2011

Halbjahresbericht

Begonnen hat alles mit einem Haufen Erwartungen, Ungewissheit und voller Elan. Fuer mich war es das erste mal im Flieger und das erste Mal so lange und weit weg von zu Hause. Am Anfang waren es jede Menge neue Eindruecke, doch sehr schnell hat man sich an das neue Umfeld gewoehnt. Dazu gehoert vor allem die Volontaerswohnung. Diese war zuerst ein Schock! Dreckig, vieles war kaputt und sehr primitiv eingerichtet. Aber um ehrlich zu sein, man gewoehnte sich sogar daran. Ebenso auf der Arbeit. Kalt, einfach, versuefft.
Ich war fuer sechs Monate in Kfar Ofarim bei Ramat HaSharon. Gewohnt haben wir zu siebt in einem Apartement fuer... 4? Dementsprechend kann man sich den Komfort vorstellen und vor allem die Zeiten an denen man noch Besuch hatte. Wir wohnten in Petach Tiqva, einer 300.000 Einwohner Stadt neben Tel Aviv, die ausser den Israelis aber niemand kennt. Zurecht, denn da gibt es auch nichts zu sehen. Die Wohnung war im sechsten Stock eines Betonblocks, aber immerhin mit guter Busanbindung. Zur Arbeit ca. 20 Minuten, nach Tel Aviv ca. eine Stunde. Ebenso um abends nach Hause zu kommen mussten wir umsteigen und brauchten meist ueber eine Stunde. Bis hierher mag es sich sehr negativ anhoeren und so war auch mein erster Eindruck. Da war nichts zu sehen von dem Land, in dem Milch und Honig fliesst. Doch mit allem konnte man sich mehr oder minder abfinden, begann aber auch seine Heimat richtig zu schaetzen. Unsere Wohnung bestand nur aus DIV-Volontaeren, darunter 2 zwei weibliche. Wir verstanden uns erstaunlich gut obwohl wir doch so unterschiedlich sind. Ich beispielsweise gehe nicht nach Tel Aviv in Nightclubs waehrend die anderen sich teilweise woechentlich abschossen. Mit der Zeit bildeten sich Grueppchen, was aber total normal ist. Andy und ich machten letztlich immer zusammen Urlaub. Ansonsten gab es quasi beinah dauerhaft Probleme mit unserem Apartement. Angefangen von der nicht funkionierenden Klimaanlage im heisesten Monat, nicht bezahlten Rechnungen, stoerendem Internet, Stromausfall, Ueberschwemmung u.s.w.
Allgemein gilt zu sagen, dass alles sehr chaotisch und unorganisert ist und vor allem natuerlich ewig Zeit braucht: „BALAGAAAN!“
Die Arbeit war sehr unterschiedlich. Ich verbrachte meine Zeit im Haus Gefen, das beste von allen natuerlich. Es befand sich noch im alten Komplex und teilte sich somit die Kueche mit Haus Dolev, wo uebrigens Andy arbeitet. Meine neun neuen Freunde erschienen mir ziemlich verrueckt. Aber dadurch um so sympatischer (. Man lernt ihre Sprache kennen, ihre Eigenheiten und Rituale. Man lernt sie schaetzen und verstehen. Man entwickelt Freundschaften. Es ist unglaublich wie schnell man Routine in die Arbeit bekommt und zuletzt machte ich Arbeiten wie ein normaler Guide. Dazu gehoerte auch das Verabreichen von Medikamenten und Nachtschichten, alleine. Zu Beginn war mir immer langweilig, weil ich nicht wusste was ich machen kann und dann hab ich einfach hebraeisch gelernt. Spaeter kam ich oft mals gar nicht mehr dazu, weil es immer etwas gab, was man mit den Autisten machen konnte. Selbst wenn man nur versuchte ihnen auf Stotter-Hebraeisch etwas zu erzaehlen. Meine Arbeitskollegen waren durchschnittlich bis superklasse! Mit den einen hat man mehr gemacht, mit dem anderen fast nichts. Allgemein fiel es mir recht schwer richtigen, also dauerhaften Kontakt herzustellen. Ueber meinen Haus-Manager kann ich nur ein Lob aussprechen. Er war wirklich sehr nett und stets bemueht alles gut zu machen, was wirklich nicht einfach fiel. Man konnte ihn um alles bitten, die Frage war nur ob es letztendlich klappte, bzw. ob er daran dachte. Was man wohl noch erwaehnen sollte. Rund um Tel Aviv ist die Homosexuellen-Rate sehr hoch. So war mein Chef, mein Haus-Manager, einiger Arbeiter und vermutlich sogar ein Friend schwul. Klingt negativ, ist es auch, da es mir irgendwann ziemlich penetrant wurde. Vor allem in der Stadt kann man da so seine Erfahrungen machen... . Was mir sehr gut an unserer Einrichtunge gefallen hat, war das bunte Programm, sodass wir oft Gelegenheit hatten in den Pool zu gehen. Auch das Gehalt war voll in Ordnung. Am Anfang und Ende des Monats 600 NIS, davon musste man sich selbst mit Essen eindecken und auch die Buskosten waren integriert. Fuer den Bus gingen rund 350 NIS raus pro Monat, eine ganze Menge, sodass die meisten von uns sich ein Fahrrad kauften und mit diesem 45 Minuten zur Arbeiten fuhren. Man kann isch ueberlegen ob man sich das antun will bei dem Verkehr und Klima, aber der Deutsche ist ja bekanntlich geizig. Fuer mich hat es sich leider nicht so sehr gelohnt, da mein Radel dauerhaft zur Reperatur musste und als ich dann mein drittes! Fahrrad bekommen sollte, hab ich das Geld zurueck verlangt. Was man erwahnen sollte, wir bekammen jede Woche ein Essenspaket von der Kueche und jeden Monat alles Notwendige fuer den Haushalt. Somit musste ich das Kindergeld nur fuers Reisen angraben, die anderen haben es oft versofen.
Seit grob einer Woche bin ich nun in Jerusalem bei Shekel. Urspruenglich wollte ich von Anfang an nach Jerusalem, hat dann aber nicht geklappt. Als ich nun meinen Wunsch bei Silvi Behm, unserer Ansprechpartnerin in Israel geaeussert hatte, ging der Wechsel erstaunlicherweise sehr schnell und unkompliziert. Fuer mich kann ich sagen, ist Jerusalem definitiv die bessere Wahl. Tel Aviv ist schon sehr westlich, nur dreckig noch dazu. Jerusalem ist einfach etwas Besonderes, eine Stadt wie keine Zweite und fuer mich als Christ einfach wesentlich interessanter. Ausserdem find ich Sie um Laengen schoener. Die Arbeit bei Shekel ist bekanntermassen nicht mit Autisten sondern in meinem Fall sogar mit sehr stark geistig und koerperlich Behinderten, aber ich bin erstaunt wie gut mir diese Arbeit doch gefaellt. Verglichen zur Arbeit davor, ist hier erst Mal alles schoener und moderner. Auch das Essen ist besser. Man kann zur Arbeit laufen, bekommt 1210 NIS pro Monat und es arbeiten ausschliesslich Araber. Man muss natuerlich wesentlich mehr Pflege machen, gewoehnen tut man sich jedoch an alles.
Zusammenfassend bin ich sehr froh ueber die Zeit hier und all die Erfahrungen. Auch wenn es mir in Jerusalem besser gefaellt, blicke ich mit lauter positiven Eindruecken auf das halbe Jahr davor zurueck.

1 Kommentar:

  1. das mit dem schwulenkommentar war ja wohl nich so RAFFIniert.

    viele grüße

    lima

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