Dienstag, 5. April 2011

Fahrrädchen und Häschen

Eigentlich sollte an dieser Stelle ein Bericht stehen, den ich bereits vor ein paar Tagen verfasst habe...
Tut er aber nicht. Oder um genauer zu sein, noch nicht. Also überspring ich einfach mal 30 Tage und erzähl euch etwas anderes.
Da wäre zum einen mein Fahrrad. Erinnert man sich daran? Das hab ich mir ganz zu Beginn in Tel Aviv gekauft und hat mir treue Dienste geleistet, bis DIE Scherbe kam. Ja die hatte es so richtig in sich, danach lief das Fahrrad nämlich nie mehr als zwei Tage! So bin ich ein Monate lang immer wieder mit dem Fahrrad im Bus zum Händler gefahrn, einiges an Geld liegen gelassen und letzten Endes, als er nicht mehr weiter wusste, gab er mir ein anderes Radel. Das war sein großes Experiment. Er nahm einen guten alten Alu-Rahmen, bestückte ihn komplett neu und für einen kleinen Aufpreis durfte ich es mein Eigen nennen. So weit so gut, bis die erste Fahrt zur Arbeit anstand. Zielstrebig rasste ich über rote Ampeln um vor gestressten Autofahrern zu fliehen und dann... mitten auf der Kreuzung, ZACK! Kette gerissen. Und die war erst ein Tag alt ihr Lieben. Das entstandene Hupkonzert erheiterte sehr. Mit Ach und Krach kam ich letztlich eine Stunde zu spät bei der Arbeit an um mir anzuhören, dass ich gar nicht arbeiten muss. Ja, das war voll und ganz mein Tag :)
Nun dann zurück zur Fahrrad-Odysee. Als ich mich endlich aufraffen konnte das Fahrrad zum Laden zu bringen, war der liebe Verkäufer schon so weit, dass er mir nichts mehr für die Reparatur mehr abzwacken wollte. So kam ich eine Weile später wieder zum Geschäft, als sich bereits die wunderbare Botschaft kund tat, dass ich nach Jerusalem wechseln werde, um das Zweirad endgültig meinem Fahrradhändler zu überlassen. Er empfing mich mit seinem netten und mit jedem Mal mehr bemitleidendem Lächeln um mir dieses Mal mitzuteilen, dass jemand mein Fahrrad gestohlen hätte, er mir aber ein anderes geben will. Daraufhin konnte ich nur grinsen, denn diesmal war das Pech zu meinem Glück. Er musste mir nun das Fahrrad erstatten und ich bestand darauf, dass er es mir auszahle. So bekamm ich letztlich 350 Shekel und bin ungefähr gleich teuer weg gekommen, wie wenn ich mit dem Bus gefahren wäre.
In Jerusalem tu ich mir das Fahrradfahren nicht mehr an, zudem es um einiges hügeliger und der Bus billiger ist.
Eine weitere Anekdote ist brandaktuell von dieser Woche. An meiner neuen Arbeitsstelle haben wir zwei weise Hasen. Diese machen für bekanntlich Dreck und stinken. Zur Zeit ist unser Chef Amer krank geschrieben, da er sich beim Fußballspielen den Arm gebrochen hat. Ersatzchef ist Menachem, der Supervisor von insgesamt drei Apartements, darunter auch unseres. Menachem scheint Reinheit und Hygiene sehr wichtig zu sein. Denn er mag es nicht Hasen im Haus zu halten. So hat er kurzerhand eigenwillig entschlossen die Häschen im nahegelegenen Park einfach auszusetzen. Tag danach fanden die Plüschwesen jedoch schon wieder den Weg bis zu unserer Straße hoch, wo sie von den umsichtigen Nachbarn aufgesammelt und zu uns gebracht wurden. Nun gut... so barmherzig wie wir sind, brachten wir sie in ihren Stall. Da gab es nur ein Problem, denn Menachem hat auch das Streu entsorgt. Improvisationskunst sei dank, wurden letztlich die super-saugfähigen XL-Windeln umfunktioniert und damit der Boden ausgekleidet.
Noch einen Tag später kam dann Menachem wieder vorbei, ganz entsetzt, was denn die Hasen hier machen! Nach erneutem Befehl sie raus zu schmeißen, fanden sie letztlich Gunst bei Rana, welche sie für ihre Tochter mit nach Hause nahm. Eigentlich mag Rana keine Hasen...

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