Samstag, 21. Mai 2011

Freitag Abend in Ramallah

Flo und ich hatten gestern morgen Putzschicht. Da morgen meine französische Mitbewohnerin uns verlässt, musste Flo unbedingt nach Ramallah fahren um sich eine arabische Kaffekanne zu kaufen. Denn Nathalie nimmt ihre mit nach Hause. Da ich bisher noch nicht im nördlichen palästinensischen Gebiet aufgehalten hab, beschloß ich mitzufahren. Ramallah ist nur ein kurzes Stück von Jerusalem entfernt, eine der großen palästinensischen Städte und auch Regierungssitz der Fatah. Am Checkpoint wurden wir diesmal von einem großen Militäraufgebot überrascht. Der Grund war nicht weit, direkt hinter den Betonmauern gab es wieder Randale, hauptsächlich jugendliche Araber. Steinewerfenden standen sie auf Hügeln und Straßen, wir mussten einen Umweg fahren, da sie auf der Straße Müll und Autoreifen angezunden haben. Der schwarze Qualm hat natürlich erbärmlich gestunken, die Fenster blieben also verschloßen. In Ramallah selbst war es eher sehr ungewohnt ruhig, was allerdings an der Zeit lag. Wir haten nämlch vergessen, dass die Moslems am Freitag Abend ihre Läden dicht machen. So fanden wir auch keine Kaffekanne, dafür billige Lebensmittel. Außerdem zeigte mir Flo das Mausoleum Arafats, im Hintergrund das Regierungsgebäude, wo er seine Reden hielt, im Vordergrund eine moderne Moschee. An sich ist Ramallah nichts Besonderes. Eine unordentliche arabische Stadt, von der jedoch einige Unruhen ausgehen. So waren überall Plakate zu sehen, welche zu einer Demonstration, oder besser gesagt zivile Stürmung der Grenzen aufrief. Am 15.5. findet seit 63 Jahren Jahren der Nakba (=Katastrophe) Tag statt, als Antwort auf Israels Feiern der Unabhängikeit und Staatsgründung. Wer es in den Medien mit verfolgt hat, weiß, dass es auch diesmal wieder zu eineigen Toten kam. Somit wurde über die Internetplattform Facebook ein erneuter Aufruf zur dritten Intifada gestartet, und zwar für gestern. Diese ist zum Glück nicht eskaliert, war aber dennoch spürbar. Warum gestern? Es war Freitag und die meißten moslemischen Unruhen finden Freitag Nachmittags statt, nach dem wichtigsten Gebet der Moslems um 12 Uhr Mittags in der Moschee. Dort werden oft Hasspredigten gehalten, sodass es auch in Jerusalem in der östlichen Teilen immer wieder zu kleinen Aufruhren kommt. Steinewerfer sind normal und damit auch eine starke Militärpräsenz.

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